Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass das Vertrauen der österreichischen Bevölkerung in die staatliche Pension weiter sinkt. Laut einer Erhebung von Erster Bank, Sparkassen und Wiener Städtischen, welche vom Marktforschungsinstitut IMAS durchgeführt wurde, rechnen 61% der Befragten mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Nur 9% erwarten eine Verbesserung. 1.000 Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren wurden online befragt, wobei die Ergebnisse repräsentativ für die österreichische Bevölkerung sind. Diese negativen Prognosen spiegeln sich auch in einem wachsenden Bedürfnis nach privater Altersvorsorge wider. Immer mehr Menschen ziehen alternative Sparformen in Betracht, um ihre Zukunft abzusichern.

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist, dass 48% der Befragten nicht mehr daran glauben, dass der Staat ein verlässlicher Partner bei der Altersvorsorge ist. Zudem äußern 75% der Befragten Zweifel daran, im Alter eine ausreichend hohe Pension zu erhalten. Diese Bedenken führten dazu, dass 86% der Teilnehmer frühzeitige private Vorsorge als Lösung gegen Altersarmut ansehen. Die Wichtigkeit der finanziellen Selbstverantwortung zeigt sich auch in dem Fakt, dass 51% der Befragten klassische Sparkonten nutzen, während 25% in Wertpapiere oder Fondssparpläne investieren.

Wachsende Skepsis und alternative Vorsorgeformen

Die Umfrage hebt hervor, dass 67% der Befragten in Gesundheitsvorsorge investieren, gefolgt von 61% für die Altersvorsorge und 60% für finanzielle Reserven in Krisenfällen. Dies stellt einen Anstieg im Vergleich zu 2025 dar. Weitere 45% sehen es als notwendig an, durch private Vorsorge ihr finanzielles Risiko zu verringern und ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. In einer anderen Statistik wird angegeben, dass 39% der Befragten das Risiko, von Altersarmut betroffen zu sein, als hoch einschätzen.

Zusätzlich zur steigenden Nachfrage nach privaten Vorsorgemöglichkeiten, gibt es auch Forderungen nach stärkeren staatlichen Förderungen. 77% der Befragten wünschen sich hier mehr Unterstützung. Der durchschnittliche monatliche Betrag, den die Menschen in ihre Altersvorsorge investieren, beträgt 225 Euro. Während Männer mit 265 Euro im Schnitt mehr als Frauen (179 Euro) investieren, bleibt die Hoffnung auf eine zufriedenstellende staatliche Pension schwindend gering.

Parallel zu Österreich: Die Situation in Deutschland

Der Trend zur privaten Altersvorsorge ist nicht nur in Österreich zu beobachten, sondern zeigt auch in Deutschland deutliche Züge. Der Sozialbericht 2024 beschreibt einen Wandel hin zu einem stärkeren Fokus auf private Vorsorge innerhalb des mehrsäuligen Rentensystems. Bürger müssen zunehmend mehr Verantwortung für ihre finanzielle Absicherung im Alter übernehmen.

Rund 56% der 45- bis 64-Jährigen in Deutschland haben vertraglich festgelegte private Altersvorsorgeprodukte. Die Nutzung dieser Produkte variiert jedoch stark je nach sozioökonomischer Lage. So besaßen beispielsweise 63% der 45- bis unter 65-Jährigen Wohneigentum im Jahr 2023, wobei die Eigentümerquote stark von Bildungs- und Einkommensniveau abhing.

Reform der privaten Altersvorsorge in Deutschland

Die deutsche Bundesregierung hat am 17. Dezember eine Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen, die noch der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat bedarf. Die Riester-Rente wird durch flexiblere und renditestärkere Produkte ersetzt. Diese Reform sieht unter anderem die Einführung von Altersvorsorgedepots vor, die von höheren Renditechancen profitieren sollen, unter anderem durch ETFs. Der Fokus liegt auch auf einer höheren Flexibilität in der Auszahlungsphase.

Ab Anfang 2027 sollen keine neuen Verträge mehr nach dem alten Riester-Modell abgeschlossen werden können. Bestehende Verträge bleiben jedoch weiterhin gültig. Eltern erhalten für jeden gesparten Euro für ihre Kinder zusätzlich staatliche Zulagen, um der jungen Generation den Einstieg in die private Altersvorsorge zu erleichtern. Diese Neuerungen könnten entscheidend dazu beitragen, das Vertrauen in private Altersvorsorgemöglichkeiten zu stärken.