Am 18. Jänner 2026 fand der Industrie-Summit der Industriellen Vereinigung (IV) Niederösterreich und Oberösterreich statt, um über grundlegende Reformen zur Stärkung des industriellen Standorts zu diskutieren. Der Fokus lag auf der nötigen Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit sowie der Senkung von Energie- und Arbeitskosten. Beide Bundesländer sind zentral für die industrielle Wertschöpfung in Österreich, mit 43% der nationalen Wertschöpfung und über 800.000 Arbeitsplätzen, die stark von ökonomischen Rahmenbedingungen abhängig sind. Doch kürzlich angekündigte Stellenkürzungen bei KTM und ZKW schockten die Branche, was die Dringlichkeit der Reformen unterstreicht. Leadersnet berichtet, dass während der Veranstaltung wichtige Forderungen und ein gemeinsames Industriemanifest von den Landeshauptleuten Johanna Mikl-Leitner und Thomas Stelzer sowie zahlreichen Industrievertretern unterzeichnet wurden.

Die Teilnehmer forderten deutliche Reformen zur wirtschaftlichen Belebung, ohne dabei erneut auf Sparpakete zurückgreifen zu müssen. Kari Ochsner von der IV Niederösterreich stellte konkrete Vorschläge vor: eine Erhöhung der Jahresarbeitszeit sowie eine Anpassung des Pensionsantrittsalters, die bedeutende positive Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) generieren könnten. So wird ein Mehrertrag von über einer Milliarde Euro durch längere Arbeitszeiten und über vier Milliarden Euro durch ein höheres Pensionsantrittsalter prognostiziert.

Herausforderungen und Reformbedarf

Die Diskussionsteilnehmer warnten vor den strukturellen Herausforderungen, die sich aus steigenden Kosten und einer sinkenden Arbeitsleistung ergeben. Thomas Bründl von der IV Oberösterreich hob zudem den fortschreitenden Protektionismus hervor, der die österreichische Industrie unter Druck setzt. Im Hinblick auf die EU wurde das Mercosur-Abkommen als positives Signal für den Außenhandel gewertet.

Johanna Mikl-Leitner betonte die Verantwortung der Bundesländer, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Sie sprach sich für einen Industriestrompreis nach deutschem Vorbild bis zum Jahr 2030 und eine Senkung der Lohnnebenkosten ab 2027 sowie für einen Bürokratieabbau aus. Auch bei den Mitgliedern der Wirtschaft gibt es ein starkes Einvernehmen über den Reformbedarf, insbesondere in Bezug auf Deregulierung und notwendige Investitionen.

Europäische Perspektiven

Mit Blick auf die europäische Wettbewerbsfähigkeit ist der Draghi-Bericht vom September 2024 von zentraler Bedeutung. Der Bericht thematisiert Herausforderungen wie den technologischen Rückstand, die Notwendigkeit der Dekarbonisierung und die Abhängigkeit von Energieimporten. OEGFE berichtet von 383 Reformvorschlägen, die eine aktive Industriepolitik erfordern. Trotz der erkannten Notwendigkeiten wurden bisher nur 10% der Vorschläge vollständig umgesetzt.

Die deutsche Bundesregierung hat ebenfalls eine Reihe von Maßnahmen eingeplant, um die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Sie setzt auf Innovationsförderung, Entlastungen für Unternehmen und Investitionen in die Digitalisierung der Infrastruktur, um Deutschland als starke Industrienation zu erhalten. Geplant sind Steuererleichterungen und Investitionsanreize, die bedeutende Effekte auf die Wettbewerbsfähigkeit haben sollen. Bundesregierung hebt hervor, wie wichtig die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Sicherheit von Arbeitsverhältnissen für die wirtschaftliche Stabilität sind.

Insgesamt verdeutlichte die Veranstaltung den erheblichen Reformbedarf in Österreich, um den industriellen Standort konkurrenzfähig zu halten und gleichzeitig auf europäische Rahmenbedingungen und Herausforderungen reagiert werden kann. Die Initiativen aus Niederösterreich und Oberösterreich stehen dabei symbolisch für die Bemühungen um eine stärkere gemeinsame Industriepolitik in der Europäischen Union.