In Baden-Württemberg zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung im Landwirtschaftssektor. Die Blauzungenkrankheit breitet sich rapide aus und hat innerhalb kürzester Zeit eine alarmierende Anzahl von Tierhaltungen erfasst. Über 450 Betriebe sind inzwischen betroffen, was mehr als das Vierfache der offiziellen Zahlen vor zwei Wochen bedeutet. Diese Epidemie betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die gesamten Tierbestände in der Region.
Die aktuellen Meldungen des Landwirtschaftsministeriums besagen, dass bis zum vergangenen Wochenende in 34 von 44 Land- und Stadtkreisen Ausbrüche registriert wurden. Angesichts dieser hohen Fallzahlen wird die Lage für Rinder und Schafe zunehmend kritisch. So sind bereits 30 Tiere an den Folgen der Krankheit gestorben. Besonders besorgniserregend ist die Einschätzung eines Ministeriumssprechers, der darauf hinweist, dass sich das Virus voraussichtlich auch über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus weiter ausbreiten könnte.
Ursprung und Übertragung der Krankheit
Die Blauzungenkrankheit ist eine durch ein Virus verursachte Infektion, die vor allem Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen betrifft. Die Symptome sind unter anderem schmerzhafte Hautveränderungen, ein Rückgang der Milchleistung und allgemein schlechtes Wohlbefinden bei den Tieren. Die Übertragung erfolgt nicht direkt von Tier zu Tier, sondern über blutsaugende Mücken, bekannt als Gnitzen. Diese Übertragungsart führt dazu, dass die Krankheit verstärkt in den warmen Sommermonaten auftritt.
Am 8. August wurde der erste Ausbruch im Rems-Murr-Kreis festgestellt, und seitdem hat sich die Krankheit über die gesamte Region ausgebreitet. Um einer weiteren Verbreitung entgegenzuwirken, rufen die Landratsämter sowie das Ministerium die Viehhalter dazu auf, gefährdete Tiere impfen zu lassen. Auch der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat eindringlich empfohlen, Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit durchzuführen.
Aktuelle Lage und Reaktionen
Bislang mussten in Baden-Württemberg keine Tiere getötet werden, obwohl die Situation ernst ist und das Friedrich-Loeffler-Institut eine fortgesetzte Ausbreitung des Virus befürchtet. In einem besorgniserregenden Trend hat sich die Krankheit in nur elf Monaten durch ganz Deutschland verbreitet, sodass kein Bundesland mehr offiziell als frei davon gilt. Die ersten Fälle in Deutschland wurden im Oktober 2023 bei einer Schafhaltung in Nordrhein-Westfalen festgestellt.
Die ersten Berichte über die aktuelle Krankheit stammen aus den Niederlanden, wo sie im September 2023 auftrat und sich rasch verbreitete. Während die Krankheit für Menschen ungefährlich ist, stellt sie für die betroffenen Tiere eine große Bedrohung dar. Insbesondere Schafe können unter starkem Schmerzen leiden, und die typischen Symptome können schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit und Produktivität der Tiere haben.