
Das EU-Mercosur-Abkommen sorgt in Österreich für eine anhaltende politische Debatte. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) befürwortet das Freihandelsabkommen, das zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay geschlossen werden soll. Dies stößt jedoch auf scharfen Widerstand, insbesondere vonseiten der FPÖ. Der FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz bezeichnete das Abkommen als einen Angriff auf die heimischen Landwirte und stellt die FPÖ als die einzige politische Kraft dar, die die Interessen der Bauern verteidigt. (5min.at) Viele fürchten, dass durch das Abkommen der Wettbewerb für österreichische Landwirte sinkt und die Einhaltung von EU-Standards für Importe nicht garantiert ist.
Die Meinungen über das Mercosur-Abkommen sind in der österreichischen Politik stark geteilt. Der niederösterreichische Bauernbund kritisiert Hattmannsdorfer und fordert einheitliche Standards für Importprodukte, während Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und der Präsident des ÖVP-Bauernbundes, Georg Strasser, ebenfalls gegen das Abkommen argumentieren. (5min.at) Während die Agrarwirtschaft auf die potenziellen negativen Folgen für die Bauern hinweist, erwarten Vertreter der Industrie positive Effekte durch einen Ausbau des Außenhandels und Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Wirtschaftliche Perspektiven vs. Agrarische Bedenken
Die unterschiedlichen Positionen führen zu einer klaren Bruchlinie zwischen den Interessen der Industrie und der Landwirtschaft. Agrarier äußern Bedenken hinsichtlich möglicher Job- und Qualitätsverluste. Arbeitnehmervertreter machen auf die Gefahren für den Klimaschutz aufmerksam und warnen vor den Belastungen, die mit einem derartigen Abkommen einhergehen könnten. (die Presse) Im Gegensatz dazu sieht Ökonom Harald Oberhofer positive Effekte für Wirtschaft und Konsumenten. Die NEOS sind die einzige politische Partei, die das Abkommen unterstützt und die wirtschaftlichen Chancen betont.
Auf der anderen Seite äußert auch die SPÖ Kritik am Abkommen, da sie es mit einem Abbau von Arbeitnehmerrechten und ökologischen Problemen assoziiert. Die Grünen warnen davor, dass die Transportwege landwirtschaftlicher Produkte zur Zerstörung des Regenwaldes beitragen könnten, während die Landwirtschaftskammer die ungleichen Standards zwischen der EU und den Mercosur-Staaten anprangert. (die Presse)
Internationale Standards und Nachhaltigkeit
Eine zentrale Sorge ist die Einhaltung der europäischen Umweltstandards und der Tierschutzvorschriften. Das geplante Handelsabkommen stößt auf Bedenken, insbesondere von über 50 europäischen Bauern- und Genossenschaftsverbänden, die vor den negativen Auswirkungen auf die europäische Landwirtschaft warnen. Diese Organisationen betonten in einem Appell an führende EU-Politiker, dass das Abkommen nicht auf Kosten der europäischen Standards gehen dürfe. (fleischundco.at)
Der Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland, Niki Berlakovich, übergab diesen Appell persönlich an den ungarischen Landwirtschaftsminister István Nagy. In Anbetracht der Differenzen zwischen den Produktionsmethoden der EU und der Mercosur-Staaten befürchten viele heimische Bauern, dass ein unzureichend ausgestaltetes Abkommen zu Wettbewerbsnachteilen führen könnte. Besonders die günstigeren Produktionskosten in den Mercosur-Ländern könnten dazu verleiten, dass Billigfleisch aus Südamerika in den europäischen Markt drängt. (fleischundco.at)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das EU-Mercosur-Abkommen nicht nur eine wirtschaftliche Chance, sondern auch große Herausforderungen für die Landwirtschaft in Österreich mit sich bringt. Ein ausgewogenes Abkommen, das faire Wettbewerbsbedingungen und nachhaltige Standards berücksichtigt, könnte die Basis für eine harmonische Handelsbeziehung bilden und die Sorgen der heimischen Landwirte ernst nehmen. (5min.at)
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