In einer aktuellen Debatte über das geplante Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren hat Leo Lugner, FPÖ-Politiker, scharfe Kritik an den Maßnahmen der Bundesregierung geübt. Er bezeichnete das Vorhaben als einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und verglich die Situation mit den repressiven Praktiken der ehemaligen SED und der DDR. Laut Lugner stellt das Verbot einen Versuch der Zensur dar und beraube junge Menschen der Möglichkeit, sich über alternative Medien zu informieren. Während er darauf hinweist, dass Jugendliche ab 16 Jahren wählen dürfen, sieht er den Zugang zu Informationen für unter 14-Jährige als unzureichend geregelt an. Diese Sichtweise äußerte er in einer Diskussion im „ZiB 2“-Studio des ORF.

Sein Widersacher, Paul Stich von der SPÖ, verteidigte in der gleichen Talkrunde die Regierungspläne und wies auf die potenziellen Gefahren hin, denen Kinder auf Plattformen wie Instagram und TikTok ausgesetzt sind. Er betonte die Tatsache, dass Jugendliche auf diesen Plattformen extremistischen Inhalten begegnen könnten. „Wir haben Zwölfjährige, die radikalisierten Predigern anhängen“, stellte Stich eindringlich fest. Zudem wies er darauf hin, dass der Jugendschutz im digitalen Raum nicht selbstverständlich sei und ein Eingreifen notwendig ist, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten.

Meinungsverschiedenheiten über den Kinder- und Jugendschutz

Lugner argumentierte dagegen, dass das geplante Verbot nicht nur schwer umsetzbar sei, sondern auch die Verantwortung für den Content im Internet eher bei den Eltern als beim Staat liegen sollte. Er äußerte Bedenken, dass ein staatliches Verbot nicht kontrollierbar wäre und Kinder Altersbeschränkungen ohnehin umgehen könnten. Statt neuer Gesetze plädierte Lugner für eine verstärkte Polizeipräsenz und ein Verbot des politischen Islam als Gripf gegen Extremismus.

In der Diskussion wurde auch die technische Umsetzung des Verbots angesprochen, wobei Stich einräumte, dass es aktuell keine fertige technische Lösung dafür gibt. Eine mögliche Weiterentwicklung der ID Austria wurde als Ansatz zur Identifikation von Nutzern erwähnt, wobei auch die Bedeutung des Datenschutzes unterstrichen wurde. Stich stellte klar, dass kein Modell geschaffen werden dürfe, das Tech-Konzernen Zugriff auf sensible persönliche Daten ermögliche.

Allgemeiner Kontext zum Thema Hass und Desinformation

Die Debatte um den Schutz von Kindern vor gefährlichen Inhalten in sozialen Netzwerken findet in einem breiteren Rahmen statt, in dem auch Hasskommentare und Desinformation im Internet ein zentrales Thema sind. In Deutschland beispielsweise wurde ein Gesetzespaket verabschiedet, das den Strafrahmen für Bedrohungen und Beleidigungen verschärft. Diese gesetzlichen Bestimmungen sind Teil einer umfassenden Diskussion über die Rolle von sozialen Netzwerken und den Umgang mit verschiedenen Formen von extremistischen Inhalten. Nach dem Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD sollen hier weitere Maßnahmen zur Bekämpfung von Hass und Desinformation ergriffen werden.

Während die Herausforderungen, die das Internet und insbesondere soziale Plattformen mit sich bringen, auch in Österreich zunehmen, bleibt die Frage offen, wie Balance zwischen Meinungsfreiheit und dem notwendigen Schutz von Minderjährigen erreicht werden kann. Diese Fragen werden weiterhin die öffentliche Debatte prägen und fordern von den Verantwortlichen in der Politik kreative und praktikable Lösungsansätze.