Am 22. Jänner 2026 startete der französische Milchindustriekonzern Lactalis eine umfassende Rückrufaktion von Säuglingsnahrung in mehreren Ländern. Betroffen sind insgesamt sechs Chargen der Marke „Picot“, da die Rückrufaktion aufgrund des möglichen Vorhandenseins des Toxins Cereulid veranlasst wurde. Französische Behörden stellten eine Verbindung zwischen den Rückrufen von Lactalis und Nestlé her, da die Ursache für die Verunreinigungen bei einem Hersteller in China zu finden ist. Das französische Landwirtschaftsministerium bestätigte, dass der Rohstoff von besagtem Hersteller geliefert wurde, der als einer der wenigen globalen Anbieter von Arachidonsäure (ARA) gilt. Die betroffenen Länder sind neben Frankreich auch China, Australien und Mexiko.
Cereulid kann ernsthafte gesundheitliche Probleme hervorrufen, darunter Durchfall und Erbrechen. Millionen von Säuglingen weltweit sind von den Rückrufen betroffen. Im Jänner 2026 gab es bereits mehrere Rückrufe von verschiedenen Tochtergesellschaften von Nestlé in Europa, unter anderem in Österreich, Deutschland, Italien, Schweden und Frankreich, wobei insgesamt 60 Länder betroffen sind. In Österreich wurden zwei Produktchargen positiv auf Cereulid getestet und umgehend aus dem Verkehr gezogen. Die nachgewiesenen Konzentrationen des Toxins waren jedoch so gering, dass eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen werden kann.
Politische und gesundheitliche Reaktionen
Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Österreich führte eine Untersuchung durch und fand bei anderen Herstellern keine Auffälligkeiten. Auch der Konkurrenzkonzern Danone musste in Singapur Babynahrung der Marke Dumex zurückrufen, was zu einem Rückgang des Aktienkurses um mehr als fünf Prozent führte. Dies verdeutlicht die weitreichenden Auswirkungen der Rückrufe auf die Branche.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat in diesem Zusammenhang ihre Kritik an Nestlé geäußert und betont, dass der Konzern bereits früher von den Verunreinigungen gewusst haben soll. Laut Foodwatch stammen die möglichen Verunreinigungen aus einer Zutat eines Zulieferers, wobei Produkte der Marken „Beba“ und „Alfamino“ betroffen sind. Bereits am 5. Jänner wurde der Rückruf von Nestlé öffentlich gemacht.
Frühere Rückrufe und aktuelle Entwicklungen
Die Vorwürfe gegen Nestlé beziehen sich darauf, dass die Firma und die deutschen Behörden seit Mitte Dezember über die Verunreinigungen informiert waren. Österreichische Behörden hatten bereits am 16. Dezember belastete Produktproben aus Deutschland festgestellt, die im EU-Behörden-Schnellwarnsystem RASFF gemeldet wurden. Nestlé hingegen wies die Kritik zurück und erklärte, dass kein akutes Risiko für Säuglinge bestehe, und dass keine Erkrankungen in Verbindung mit den betroffenen Produkten bestätigt wurden.
Die Diskussion um Rückrufe ist nicht neu. Regelmäßige Rückrufe von Lebensmitteln, häufig aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund von Qualitätsmängeln, sind in der Branche zu beobachten. Verbraucher können sich über solche Rückrufe, insbesondere bei Babynahrung, auf der Webseite lebensmittelwarnung.de informieren, die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit neuen Such- und Filterfunktionen überarbeitet wurde, um eine schnellere und einfachere Informationsbeschaffung zu ermöglichen.