
Wolfgang Hollegha ist ein zentraler Vertreter der österreichischen Nachkriegs-Avantgarde. Seine Arbeiten haben nicht nur in Österreich Beachtung gefunden, sondern erregten bereits früh internationales Interesse. Der New Yorker Kunstkritiker Clement Greenberg war einer der ersten, der Hollegha in den Fokus rückte, indem er ihn in eine Gruppenausstellung mit US-Stars der abstrakten Malerei aufnahm und 1960 eine Einzelpräsentation in New York organisierte. Holleghas Malerei repräsentiert das Konzept der 'Flatness', welches sich auf die Zweidimensionalität der Malerei konzentriert.
Hollegha strebte jedoch nicht nach reiner Gegenstandslosigkeit, sondern wollte die Natur durch moderne Abstraktion darstellen. Nach seiner Zeit in New York kehrte er nach Österreich zurück, wo er einen Bauernhof am Rechberg nördlich von Graz kaufte. Dort entwickelte er sein künstlerisches Werk weiter und schuf ein bedeutendes koloristisches Werk, das die Besucher der aktuellen Grazer Ausstellung in einem umfassenden Überblick nachvollziehen können. Diese Ausstellung zeigt alle Werkphasen Holleghas, wobei die letzten Werke aus den Jahren 2018 und 2019 stammen.
Transformation und Technik
Die frühen Werke von Hollegha verdeutlichen den klassischen Weg der Naturabstraktion. In seinem kreativen Schaffensprozess verwendete er zunächst Pinsel, später jedoch auch seine Handflächen und schüttete Farbe auf die Leinwand. Die Grazer Ausstellung bietet zudem filmische Dokumentationen, die Einblicke in diesen einzigartigen Schaffensprozess geben. Hollegha sammelte alltägliche Objekte, die in seine Malerei einflossen und seine Arbeiten bereicherten.
Die Besucher können nicht nur die Entwicklung von Holleghas Farb- und Formwelt nachvollziehen, sondern auch die Einflüsse anderer bedeutender Künstler dieser Bewegung verspüren. Dazu zählen Josef Mikl, Markus Prachensky und Arnulf Rainer, die wie Hollegha in der informellen Malerei Aufbruchsjahre nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten. Diese Künstler entdeckten den Tachismus und setzten sich intensiv mit menschlichen Befindlichkeiten auseinander. Mikl vertrat lautstark seine Position im Abstrakten, während Prachensky und Rainer einzigartige Wege fanden, ihre Kunst zu interpretieren.
Ausstellung und Ausblick
Die Grazer Schau ermöglicht es den Besuchern, ein umfassendes Bild von Holleghas Schaffen zu gewinnen. Sie veranschaulicht nicht nur seine Technik und seine Entwicklungen, sondern auch seine Rezeption und Bedeutung in der Nachkriegszeit. Im kommenden Jahr wird Holleghas Werk erstmals im Reinhard Ernst Museum in Wiesbaden gezeigt, was weiteren internationalen Austausch und Anerkennung seiner Werke fördern könnte, so Kleine Zeitung.
In diesem Kontext ist die Ausstellung "Abstraktion in Österreich" von der Sammlung Essl besonders zu erwähnen, die sich auf die individuelle Wahrnehmung in der österreichischen Malerei fokussiert. Dabei werden die Entstehungsbedingungen und die Entwicklung der abstrakten Malerei in Österreich seit dem Zweiten Weltkrieg beleuchtet. Besonders die Transformationen, die Hollegha und seine Zeitgenossen durchlebten, sind prägend für das Verständnis der Kunst in dieser Epoche und verdeutlichen die Relevanz der informellen Strömungen für die Generationen danach (Sammlung Essl).
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