Die Lage im Kulturbereich in Österreich ist angespannt, wie Lidija Krienzer-Radojević, die Geschäftsführerin der IG Kultur Steiermark, betont. Künstlerinnen und Künstler stehen vor enormen Herausforderungen, die sich durch Inflation, niedrige Honorare und eine zunehmende Anzahl an Absagen aufgrund von Förderkürzungen verschärfen. Eine Studie aus dem Jahr 2018 belegt, dass über 30% der Kunstschaffenden unter der Armutsgrenze leben, verglichen mit nur 14% der Gesamtbevölkerung. Krienzer-Radojević ist der Überzeugung, dass sich die Situation trotz der „Fair Pay“-Initiativen weiter verschlechtert hat.
Ein erheblicher Einschnitt für die Branche steht bevor: Ab Anfang 2026 wird die Möglichkeit zur Aufstockung des Arbeitslosengeldes durch Zuverdienst abgeschafft. Diese neue Regelung wird zu Recht als „Wahl zwischen Pest und Cholera“ beschrieben, während die Regierung hofft, dass Betroffene Vollzeitstellen finden. Im Kulturbereich gestaltet sich dies jedoch als äußerst schwierig. Die Umstellung von mehrjährigen Förderungen auf Jahres- und Projektförderungen erhöht zudem den administrativen Aufwand und stellt kleine, oft ehrenamtlich getragene Projekte vor erhebliche Probleme.
Prekäre Arbeitsbedingungen
Die prekäre Situation von Freischaffenden wurde auch am Tag der Arbeit thematisiert. Viele Künstler leben von Projekt zu Projekt, was zu unregelmäßigen und oft sehr niedrigen Einkommen führt. Die Infrastruktur für Kunstschaffende ist mangelhaft – es fehlt an Ateliers, Proberäumen und ausreichend finanzierten Spielstätten. Angesichts von steigenden Miet- und Energiekosten wird das Überleben für viele zur Herausforderung. Pauschale Gagen führen oft dazu, dass Mehrarbeit unbezahlte bleibt.
Die Abhängigkeit von persönlichen Beziehungen für Aufträge erschwert die berufliche Unabhängigkeit. Zusätzlich können Krankheitsfälle die Existenzgrundlage gefährden, während Altersvorsorge für viele nicht vorhanden ist. Trotz der weit verbreiteten Meinung, dass Arbeit im Theater privilegiert sei, bleibt die Realität für viele Kunstschaffende besorgniserregend. Sie empfinden Scham, wenn es darum geht, über ihre schlechten Arbeitsbedingungen zu sprechen, was viele dazu bringt, ihre Situationen zu verbergen. Wenige verdienen gut, während die Mehrheit am Existenzminimum lebt.
Forschungsinitiativen zur Verbesserung
Im Auftrag des Bundeskanzleramts wird derzeit eine Online-Umfrage zur sozialen Lage der Kunstschaffenden in Österreich durchgeführt. Diese Initiative, begleitet von L&R Sozialforschung und österreichischer Kulturdokumentation, soll verlässliche Daten zu Einkommenssituation, Arbeitsbedingungen und sozialer Absicherung der Künstler und Kulturschaffenden erheben. Die Umfrage ist ein nächster Schritt zur Aktualisierung einer ersten Studie aus 2008 und soll der positiven Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen dienen.
Teilnehmen können alle Künstlerinnen und Künstler sowie KulturvermittlerInnen, und die Teilnahme ist entscheidend für die Aussagekraft dieser Untersuchung. Die Ergebnisse werden nicht nur für die Entwicklung einer transparenten Kulturpolitik von Bedeutung sein, sondern leisten auch einen Beitrag zur Umsetzung der UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen.
Während die Stadt Graz als positives Beispiel für transparente Kommunikation trotz Kürzungen gilt, bleibt die allgemeine Situation für Kunstschaffende angespannt. Wenn im Jahr 2027 die ORF-Länderabgabe wegfällt, könnte dies 22 Millionen Euro weniger für das Kulturbudget bedeuten. Kultur wird nach wie vor als Grundpfeiler für Demokratie und gesellschaftliche Werte angesehen, und die Herausforderungen, vor denen die Branche steht, können nicht ignoriert werden.