Ab Herbst 2026 haben Schulen in Österreich die Möglichkeit, über eine Plattform des Bildungsministeriums digitale Lernprogramme zu erwerben. Der Probebetrieb für den neu geschaffenen „Marktplatz Lernapps“ beginnt nach den Semesterferien. Dies wurde in einem Bericht von Vienna.at bekannt gegeben. Die Einführung dieser Plattform soll das Lernen in der Schule revolutionieren und digitale Bildungsangebote in den Fokus rücken.
Der Österreichische Bundesverlag Schulbuch (ÖBV) hat allerdings Bedenken hinsichtlich der Qualitätssicherung der neuen Lernapps geäußert. Geschäftsführer Philipp Nussböck betont, dass digitale Bildungsmedien dieselben Qualitätsanforderungen wie herkömmliche Schulbücher erfüllen sollten. Der derzeitige Approbationsprozess für Schulbücher dauert etwa eineinhalb Jahre, um die inhaltliche Richtigkeit und die Übereinstimmung mit dem Lehrplan sicherzustellen. Im Gegensatz dazu werden im neuen „Marktplatz“ qualitative Kriterien wie die Personalisierung der Lernangebote gleichwertig mit inhaltlichen Anforderungen gewichtet, was von Nussböck kritisch gesehen wird.
Kritik an den Zulassungskriterien
Das Bildungsministerium verteidigt sein Zulassungsverfahren und betont, dass Apps mit gravierenden fachlichen Fehlern nicht gelistet werden können. Um auf dem „Marktplatz Lernapps“ gelistet zu werden, müssen Programme mindestens 65 Prozent der erforderlichen Punkte erreichen und in allen drei Hauptkategorien die Mindestpunktzahl erreichen. Nussböck fordert eine Angleichung der Vorgaben für gedruckte und digitale Lernmedien sowie eine gründliche Prüfung der Inhalte. Mit dieser Initiative soll sichergestellt werden, dass digitale Lernhilfen den gleichen pädagogischen Standard halten wie traditionelle Lehrmaterialien.
Die Allianz Bildungsmedien unterstützt die Kriterien für den Marktplatz, sieht aber auch die Schulen und Lehrkräfte in der Verantwortung für die Qualität der Inhalte. Die Allianz hebt hervor, dass Lernapps als Ergänzung zu Präsenzunterricht und traditionellen Lehrwerken gedacht sind und nicht deren vollständigen Ersatz darstellen sollen. Zudem besteht der Wunsch, dass die Qualitätskriterien fortlaufend überprüft und weiterentwickelt werden.
Chancen und Herausforderungen digitaler Lernangebote
Die Bildungslandschaft verändert sich zunehmend durch mobile Apps und digitale Plattformen. Wie Smartphone-Web hinweist, verbieten diese Entwicklungen das starre Festhalten an klassischen Lernformen. Lernende verlangen Flexibilität, Zugänglichkeit und Individualisierung, was durch interaktive Lernumgebungen, Videos und Podcasts erleichtert wird. Künstliche Intelligenz spielt hierbei eine wachsende Rolle, indem sie Lernapps hilft, sich dynamisch an die Bedürfnisse und Fortschritte der Schüler anzupassen.
Eine solche Anpassungsfähigkeit ist notwendig, um den unterschiedlichen Lernstilen gerecht zu werden und die Lernerfahrung zu optimieren. Lehrkräfte profitieren zudem von den Analytik-Funktionen in den Apps, die Einblicke in den Wissensstand ihrer Klassen bieten und somit eine gezielte Unterstützung ermöglichen. Trotz aller Vorteile gibt es Herausforderungen, wie die digitale Kluft, die in ländlichen Gebieten besonders deutlich wird, sowie Probleme mit schwachen Internetverbindungen.
Die Integration digitaler Lernangebote in den Schulalltag stellt eine bedeutende Veränderung dar, die eine Vorbereitung auf die digitalisierte Arbeitswelt erfordert. Laut bildungsmedien.de legen Verlage höchsten Wert auf pädagogische Ansprüche im digitalen Umfeld und investieren in eine Vielzahl von digitalen Angeboten, die unterschiedliche Lerntypen ansprechen. Diese werden von Lehrkräften unterstützt, um eine individualisierte Förderung der Schüler zu ermöglichen und mehr Zeit für die individuelle Betreuung und Moderation im Unterricht zu gewinnen.
Insgesamt wird der „Marktplatz Lernapps“ als Übergangslösung betrachtet, bis digitale Bildungsmedien vollständig in das bestehende Schulbuchsystem integriert sind. Das Bildungsministerium plant zudem ein Finanzierungsmodell, das auf der Schüleranzahl basiert, um die Nutzung von digitalen Lernressourcen weiter zu fördern.