Klagenfurt-Land

Sport als politisches Werkzeug: Deutschlands Olympia-Pläne im Blick

"Bundeskanzler Scholz und Politiker aus ganz Deutschland setzen auf Olympia-Träume, um das nationale Gefühl zu stärken und sich die Wählergunst zu sichern – doch hält die Euphorie?"

Das Thema Olympia in Deutschland gewinnt zunehmend an Fahrt. Immer mehr Politiker unterstützen eine mögliche Bewerbung für die Olympischen Spiele. Dies hat auch die Bundesregierung nicht unberührt gelassen, die im August offiziell ihre Rückendeckung zugesichert hat. Doch was steckt hinter diesem Aufschwung in der politischen Sportförderung?

„Sport hat in der Politik eine immer größere Bedeutung und vermittelt einen Feelgood-Faktor, der für das Image aller Beteiligten von größter Wichtigkeit ist“, erklärt der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Jörg-Uwe Nieland von der Universität Klagenfurt. Seine Erkenntnisse zeigen, dass Sport zunehmend in politische Reden integriert wird, nicht nur auf lokaler, sondern auch auf nachhaltiger Ebene in Deutschland und Europa.

Politik und sportlicher Erfolg

Ein zentrales Argument für die Unterstützung des Sports liegt im möglichen Imagegewinn für Politiker. Studien legen nahe, dass ein sportlicher Erfolg das Image von Politikern und politischen Parteien erheblich verbessern kann. „Gerade was die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit angeht, haben positive sportliche Erlebnisse einen signifikanten Einfluss auf die Wahlaussichten“, ergänzte Nieland. Während der bayerische Ministerpräsident Markus Söder das Thema Sport als Teil eines gesunden Optimismus in Deutschland anspricht, plant Bayern, die Prämien für erfolgreiche Athleten zu verdoppeln.

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So erklärt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, dass dieses Vorgehen aus dem Sportetat des Freistaats finanziert wird, um sowohl den Breiten- als auch den Spitzensport zu fördern.

Parallel dazu zeigen andere deutsche Bundesländer ihr Interesse an einer Olympia-Ausrichtung. Nordrhein-Westfalen verfolgt bereits konkrete Pläne für ein temporäres Olympiastadion. In Mecklenburg-Vorpommern äußert SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, dass Rostock-Warnemünde gerne Jahrgangs-Segelevents ausrichten würde.

Emotionale Verbindung und nationale Identität

Die Verbindung von Sport zu nationaler Identität und kollektiven Gefühlen ist ein weiteres Motiv für die politische Unterstützung. „Sport und nationale Mythen sind tief verbunden und erzeugen positive Emotionen“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Lutz Hagen von der TU Dresden. In seiner Studie hat er herausgefunden, dass sportliche Erfolge, insbesondere beim Fußball, in der Gesellschaft für gute Stimmung sorgen können. 

Diese positive Grundstimmung hat oftmals Auswirkungen auf die allgemeine Wahrnehmung von Politik und Regierung. So wird zum Beispiel festgestellt, dass die öffentliche Stimmung – auch bekannt als „Public Mood“ – einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wie die Menschen politische Themen und Akteure bewerten.

Es bleibt allerdings nicht zu leugnen, dass diese positive Stimmung oft nur kurzlebig ist. „Sie hält meist nur einige Tage bis Wochen an und beeinflusst sogar sportunabhängige Themen“, so Nieland. Wenn der heimische Sportverein in der Bundesliga gewinnt, zeigt eine Untersuchung, dass die Bewertung der Regierung des Landes sich verbessert. Dies geschieht unabhängig von den tatsächlichen politischen Leistungen.

Obwohl diese kurzfristigen positiven Effekte für die Politik von Bedeutung sind, können sie grundlegende negative Stimmungen nicht überwinden. „Wenn die öffentliche Stimmung grundsätzlich negativ ist, können sportliche Erfolge daran wenig ändern“, schließt Nieland. Insofern bleibt abzuwarten, wie nachhaltig die Begeisterung für Olympiabewerbungen letztlich sein wird, vor allem, wenn schwierige Fragen zur Finanzierung und Nachhaltigkeit aufkommen.

Der DOSB ist ebenfalls auf den Zug aufgesprungen und ergänzte seine Kampagne um einen Image-Film, der bedeutende Momente der deutschen Sportgeschichte seit 1972 dokumentiert. Die Botschaft ist klar: Es ist an der Zeit, sich für Olympische Spiele in Deutschland starkzumachen, und zwar gemeinsam.

Zusammenfassend ist Sport mehr als nur Freizeitvergnügen – er wird zunehmend zu einem strategischen Werkzeug in der politischen Kommunikation, das sowohl Gefühle weckt als auch Identität stiftet, und dies zu einem Zeitpunkt, an dem viele Politiker ihren Einfluss und ihr Image damit positiv verändern wollen. Weitere Informationen und Details zu diesem bewegenden Thema sind in einem aktuellen Bericht auf www.deutschlandfunk.de zu finden.


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Quelle
deutschlandfunk.de

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