Immer mehr Unternehmen setzen auf Homeoffice und ermöglichen ihren Mitarbeitenden, ihre Arbeitszeiten flexibel einzuteilen. Doch diese neu gewonnene Freiheit bringt auch Risiken mit sich, insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung von Arbeitszeitregelungen. Juristin Karin Buzanich-Sommeregger von der Kanzlei Freshfields betont, dass im Homeoffice die gleichen Vorgaben wie im Büro gelten. Viele Angestellte nutzen die Zeit jedoch für Haushaltstätigkeiten, was rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer wurde fristlos entlassen, weil er während eines Lockdowns in Teneriffa arbeitete und falsche Arbeitszeiten angab, während er private Erledigungen vornahm. Solche Verstöße können bei häufiger Wiederholung zu Abmahnungen und letztendlich zur Kündigung führen.

Die Digitalisierung hat Homeoffice zur neuen Normalität gemacht, wie die Rechtsanwaltskanzlei Pöppel feststellt. Die Flexibilität, die durch das Arbeiten von zu Hause geboten wird, kann jedoch auch Misstrauen zwischen Arbeitgebern und Angestellten schüren. Im Rahmen der Vertrauensarbeitszeit müssen Mitarbeitende ihre Aufgaben selbstständig und fristgerecht erledigen, was oft zu Schwierigkeiten bei der Überwachung der Arbeitsleistung führt.

Risiken und Herausforderungen

Im Homeoffice müssen Mitarbeiter darauf achten, während ihrer Arbeitszeit tatsächlich beruflichen Verpflichtungen nachzukommen. Kurzzeitige Unterbrechungen, etwa um einen Kaffee zu holen, gelten als akzeptabel. Bei häufigen Unterbrechungen oder der Erledigung privater Tätigkeiten während der Arbeitszeit kann jedoch ein Verstoß gegen die Arbeitsordnung vorliegen. Laut dem Haufe Portal entblößt das Fehlen einer klaren Dokumentation von Arbeitsunterbrechungen den Arbeitnehmer für Anschuldigungen des Arbeitszeitbetrugs, insbesondere wenn die Arbeitsleistung leidet.

Arbeitgeber müssen daher klare Homeoffice-Regeln etablieren und könnten elektronische Arbeitszeiterfassung einführen, um einen Überblick über die geleisteten Stunden zu erhalten. Dies trägt dazu bei, den Vertrauensverlust zu reduzieren und einen Rahmen für die Erfüllung der Arbeitsaufgaben zu schaffen. Zu viel Kontrolle, so warnen Experten, könnte jedoch das Arbeitsklima negativ belasten.

Die Bedeutung von Vertrauen

Die Wahrnehmung von Haushaltstätigkeiten während der Arbeitszeit kann stark variiert werden, abhängig von der Unternehmenskultur. Arbeitgeber sind darauf angewiesen, dass ihre Angestellten ehrlich bei der Erfassung ihrer Arbeitszeiten sind. Dennoch haben sie auch das Recht, die Einhaltung der Arbeitszeit zu kontrollieren, jedoch kann dies nicht ohne Zustimmung geschehen. Ein belasteter Arbeitsalltag, der durch schleppende Dokumentationen und heimliche Überwachung geprägt ist, kann das Betriebsklima nachhaltig schädigen.

Insgesamt ist es für Arbeitnehmer von zentraler Bedeutung, während der Arbeitszeit ihren Verpflichtungen nachzukommen und private Erledigungen auf Pausenzeiten zu beschränken. Konsequenzen von Arbeitszeitbetrug können bis zu einer fristlosen Kündigung reichen. Daher ist es ratsam, Arbeitszeiten transparent zu dokumentieren, um möglichen Vorwürfen vorzubeugen.