Am 29. Jänner 2026 wurde in Aceh, Indonesien, eine öffentliche Auspeitschung vollzogen, die die härteste Strafe seit Jahren darstellt. Dabei wurden eine Frau und ihr Liebhaber bestraft, beide erhielten jeweils 140 Hiebe. Diese setzten sich zusammen aus 100 Hieben für vorehelichen Sex und 40 Hieben für den Konsum von Alkohol. Das Instrument dieser grausamen Strafe war ein Rattanstock, der den Betroffenen immense Schmerzen zufügte. Während der Bestrafung brach die Frau weinend zusammen und musste auf einer Trage in eine Ambulanz gebracht werden. An diesem Tag wurden insgesamt sechs Personen bestraft, einschließlich eines Scharia-Polizisten und seiner Partnerin, die jeweils 23 Hiebe erhielten. Die Strafen wurden als notwendig zur Aufrechterhaltung des islamischen Verhaltenskodexes gerechtfertigt. Ein Verantwortlicher der Scharia-Polizei betonte, dass es keine Ausnahmen gebe, auch nicht für eigene Mitglieder, was die strenge Handhabung der Gesetze in der Region verdeutlicht. Öffentliches Auspeitschen ist in Aceh gängige Praxis zur Ahndung von Verstößen gegen die Scharia.

Immer wieder gibt es Diskussionen über die Anwendung der Scharia in Aceh, die vor allem durch Jugendliche geprägt ist. In Banda Aceh, wo ungefähr 250.000 Menschen leben, sind die Regeln streng. Frauen dürfen nach 22 Uhr nur in Begleitung eines männlichen Verwandten Cafés betreten und müssen sich an Kleiderordnungen halten. Dies führt zu einer spürbaren Frustration unter den Jugendlichen, die oft am Wochenende nach Medan pendeln, wo die Vorschriften lockerer sind. Salim Indri, ein junger Mann, der anonym bleiben möchte, beschreibt, dass er in Cafés sitzt und beobachtet, wie die Gäste Handys und Laptops nutzen, während sie sich gleichzeitig an das strenge islamische Regelwerk anpassen.

Der Einfluss der Scharia und gesellschaftliche Spannungen

Der Einfluss der Scharia wird durch verschiedene Gruppen in Aceh unterstützt. Eine Studie zeigt, dass fast drei von vier indonesischen Muslimen die Scharia befürworten. Die Front für Islamische Verteidigung (FPI) hat in der Region etwa 5.000 Mitglieder und meldet Verstöße an die Scharia-Polizei. Diese Patrouillen sorgen dafür, dass die strikten Gesetze konsequent durchgesetzt werden. Gleichzeitig gibt es jedoch auch eine wachsende Gegenbewegung, die sich für Bildungsangebote einsetzt und sich gegen die harten Strafen auspricht. Aktivistinnen wie Maya kritisieren die öffentlichen Bestrafungen und plädieren für mehr Verständnis und Vergebung im Islam.

Die gesellschaftlichen Spannungen sind deutlich spürbar. Auf der einen Seite gibt es eine hohe Unterstützung für die Scharia, auf der anderen Seite ist der Unmut über deren Anwendung bei vielen Jugendlichen groß. Besonders die Punk-Szene in Aceh zeigt sich rebellisch gegenüber der Scharia-Polizei, die deren Aktivitäten verfolgt und bestraft. Punk als Subkultur ist nach den strengen islamischen Regeln nicht akzeptiert, was die jungen Menschen weiter isoliert.

Die brutalen öffentlichen Auspeitschungen und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen spiegeln die komplexen Herausforderungen wider, mit denen die Bewohner von Aceh konfrontiert sind. Die Anwendung der Scharia wurde nach dem Tsunami von 2004 durch die Autonomie, die der Region gewährt wurde, implementiert. Ob diese Praxis weiterhin bestehen bleibt, ist derzeit Gegenstand intensiver Debatten in der Gesellschaft.