
In einem bedeutenden Schlag gegen den Kindesmissbrauch haben bayerische Ermittler die Darknet-Plattform „Kidflix“ zerschlagen. Diese Plattform war weltweit für Videos mit Kindesmissbrauch spezialisiert und zählte beeindruckende 1,8 Millionen Nutzer. Laut Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und dem bayerischen Landeskriminalamt wurden in 31 Ländern internationale Razzien durchgeführt, um die Betreiber und Nutzer der Plattform zu identifizieren. Bei dieser Großaktion konnten fast 1.400 Verdächtige identifiziert werden, was die Dimension dieses Verbrechens verdeutlicht.
Die Ermittlungen in Deutschland konzentrieren sich auf 103 Verdächtige, während Europol die internationale Operation koordinierte. „Kidflix“ stellte seinen Nutzern über 91.000 Videos zur Verfügung, wobei durchschnittlich dreieinhalb neue Videos pro Stunde hochgeladen wurden. Mit der Abschaltung der Plattform wird ein wichtiger Schritt im Kampf gegen solche Vergehen eingeleitet. Das Bundeskriminalamt in Wien ist nun damit beauftragt, mögliche Verbindungen zu in Österreich lebenden Personen zu prüfen, um das Netzwerk weiter zu zerschlagen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.
Erhöhung der Aufmerksamkeit auf digitales Gewaltverbrechen
Der Fall von „Kidflix“ ist ein Schlaglicht auf die alarmierende Zunahme von Missbrauchsdarstellungen im Internet. Kerstin Claus, die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, äußerte sich zu den erschreckenden Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2022. Jeden Tag sind 48 Kinder Opfer sexueller Gewalt, insgesamt 17.437 Fälle wurden dokumentiert, was zwar einen leichten Rückgang im Vergleich zu 2021 darstellt, jedoch die Dringlichkeit verdeutlicht, sich intensiver mit digitaler Gewalt auseinanderzusetzen.
Die Polizei registrierte zudem 42.075 Missbrauchsdarstellungen von Kindern im Netz, was einen Anstieg von 7 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Diese erschreckenden Zahlen stellen nur die Spitze des Eisbergs dar, da die Dunkelziffer weit höher sein könnte. Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, stellte fest, dass viele der registrierten Fälle durch Hinweise der US-Organisation NCMEC gemeldet wurden.
Maßnahmen der Bundesregierung gegen Kindesmissbrauch
Seit 2010 verstärkt die Bundesregierung ihre Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch. Zu diesen gehören die dauerhafte Einrichtung des Amtes der Unabhängigen Beauftragten sowie die Verschärfung des Strafrechts. Ein gesetzlicher Rahmen zur Verankerung der Arbeit dieser Beauftragten wird ebenfalls geplant, um die länderübergreifende Zusammenarbeit im Kinderschutz zu verbessern. Zudem wird der Ausbau des Beratungs- und Onlineangebots des Bundes vorangetrieben.
Kerstin Claus betont zudem die hohe Anzahl von Missbrauchsdarstellungen in Klassenchats. Viele Minderjährige handeln aus „digitaler Naivität“ und können sich der Straftat, die sie womöglich begehen, nicht bewusst sein. Die Forderung nach einer Anpassung des Strafgesetzbuchs zur besseren Verfolgung ausbeuterischer Taten wird immer lauter. Vorgechlagen wird ebenfalls ein nationales Forschungszentrum, um sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen besser zu erfassen und zu bekämpfen.
Für Betroffene und Interessierte steht ein anonymes und kostenfreies Hilfe-Telefon für Fragen zum Thema sexueller Missbrauch bereit: 0800 22 55 530. Die Zerschlagung von „Kidflix“ zeigt, wie wichtig es ist, diesen gefährlichen Strukturen entschlossen entgegenzutreten und die Öffentlichkeit über die Risiken der digitalen Gewalt aufzuklären.
Kosmo berichtet, dass …Kleine Zeitung informiert über …
Die Bundesregierung äußert sich zu …
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