Am 16. Oktober 2025 fand eine bedeutende Gedenkveranstaltung am Städtischen Friedhof in St. Pölten statt. Diese erinnerte an 261 Kriegsopfer, die zwischen 1940 und 1945 ihr Leben verloren. Zu den Anwesenden zählten unter anderem die Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sowie zahlreiche weitere Gäste. Die neu eingerichtete Grabstätte wurde vom Institut für jüdische Geschichte Österreich (INJOEST) geschaffen und soll der Vielfalt der Opfer gedenken, darunter Kriegsgefangene, jüdische und christliche Zwangsarbeiter, Flüchtlinge sowie St. Pöltner Bombenopfer. Zudem fanden sich auch Verstorbene aus dem örtlichen Krankenhaus und Armenhaus unter den Gedenkten.
Mikl-Leitner betonte bei der Veranstaltung die essentielle Bedeutung der Erinnerung, um auch zukünftige Generationen für die Gräueltaten der Vergangenheit zu sensibilisieren. Martha Keil, die Leiterin des INJOEST, berichtete von der Entstehungsgeschichte der Grabstätte. Von den 261 Verstorbenen waren rund 25 Kinder, die ebenfalls durch die Folgen des Krieges zu Tode gekommen waren. Von den 238 bekannten Namen der Opfer setzte sich eine erschütternde Geschichte des Leids und des Verlusts zusammen.
Die Bedeutung der Enthüllung
Bürgermeister Matthias Stadler hob die gesellschaftliche Bedeutung des Friedhofs hervor. Stephan Mlczoch, der Vertreter des Bundesministeriums für Inneres, unterstrich die Wichtigkeit der Rückgabe der Namen als ein Zeichen des Respekts und der Erinnerung an die Opfer. Die Grabsteine, die nach Jahren der intensiven Forschung durch Manfred Wieninger errichtet wurden, und die künstlerisch gestalteten Grabinschriften von Renate Stockreiter tragen zur würdevollen Erinnerung bei.
Die Finanzierung des Projekts wurde durch mehrere Institutionen gewährleistet, darunter das Bundesministerium für Inneres, der Nationalfonds der Republik Österreich, der Zukunftsfonds der Republik Österreich sowie die Stadt St. Pölten selbst und das Bauunternehmen Wohlmeyer Bau. Gemeinsam wollen sie sicherstellen, dass die dort ruhenden Menschen nicht vergessen werden.
Erinnerungskultur in St. Pölten
Ein weiterer zentraler Aspekt der Gedenkkultur in St. Pölten sind die „Steine der Erinnerung“. Diese Gedenksteine, die an verschiedenen Standorten in der Stadt aufgestellt sind, erinnern an die Schicksale der aus St. Pölten stammenden jüdischen Bürger, die während des Holocaust verfolgt und ermordet wurden. Ab dem 4. Oktober 2018 wurden mehrere Steine verlegt, die beispielsweise an Jakob und Stefanie Winterstein, Rudolf und Emma Kohn sowie andere Opfer erinnern, die durch Zwangsumgesiedelung und Deportation den Verfolgungen zum Opfer fielen. Diese Initiativen sind Teil einer breiteren Bewegung zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, die in vielen Teilen Österreichs Maßnahmen und Gedenkstätten umfassen, darunter auch in Krems an der Donau und Wiener Neustadt.
Diese Gedenkveranstaltung und die städtischen Erinnerungsmaßnahmen unterstreichen die fortwährende Verpflichtung der Gesellschaft, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig zu halten und den Opfern gerecht zu werden. Dies geschieht sowohl durch die Erneuerung von Gedenkstätten als auch durch die öffentliche Anerkennung der durch Krieg und Verfolgung verursachten Leiden.