Das Engelsfresko in der Kirche San Lorenzo in Lucina in Rom, das die Züge der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zeigt, wurde am Mittwoch vorübergehend mit Farbe überdeckt. Diese Maßnahme ist jedoch nur vorläufig, da eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Kunstwerks noch aussteht. Die zuständigen Behörden, darunter die italienische Denkmalbehörde und das Vikariat von Rom, sollen gemeinsam eine Lösung finden, die den historischen Gegebenheiten Rechnung trägt. Die Übermalung ist besonders brisant, da die Basilika selbst zum UNESCO-Welterbe gehört und Eingriffe an den Kunstwerken genehmigungspflichtig sind, wie Kurier berichtet.
Die Entscheidung zur Überdeckung des Freskos wurde vom Pfarrer Daniele Micheletti begründet. Er erklärte, dass ein starker Zustrom von Besuchern, die nicht aus religiösen Gründen in die Kirche kamen, die Notwendigkeit dieser Maßnahme verursacht habe. Seit Samstag hätten sich Hunderte Menschen eingefunden, um das Fresko zu besichtigen, was die Situation zugespitzt hat. Micheletti wies darauf hin, dass die Veränderung des Engelsgesichts den verantwortlichen Stellen nicht gemeldet wurde.
Untersuchungen und politische Reaktionen
Die italienische Opposition hat daraufhin Kultusminister Alessandro Giuli aufgefordert, eine Überprüfung durch die römische Behörde für Archäologie und Kunstgeschichte einzuleiten. Zeitgleich hat die Denkmalbehörde eine interne Untersuchung gestartet, um festzustellen, ob das aktuelle Erscheinungsbild des Freskos abweichend von der ursprünglichen Fassung ist. Der Künstler Bruno Valentinetti, der für das Fresko verantwortlich ist, gab an, das Gesicht Melonis auf Anweisung des Vatikans überdeckt zu haben. Zuvor hatte er bestritten, dass das Gesicht dem der Ministerpräsidentin ähnlich sei, später jedoch eingestanden, dass es sich um Meloni gehandelt hat, jedoch inspiriert von einem älteren Gemälde.
Das Fresko befindet sich in einer Seitenkapelle der historischen Kirche und zeigt einen Engel, der eine Schriftrolle mit den Umrissen Italiens hält. Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Werke in der Basilika aufgrund ihrer künstlerischen Bedeutung sowie der politischen Kontroversen, die sich um die Darstellung Melonis ranken, wie Zeit beschreibt.
Kulturelle Bedeutung der Basilika
Die Basilika San Lorenzo in Lucina ist nicht nur ein Ort des Gottesdienstes, sondern auch ein wichtiges kulturelles Erbe im historischen Zentrum von Rom, das seit 1980 zum UNESCO-Welterbe gehört. Eingriffe an den Objekten dieser Stätte sind daher nicht nur eine Frage der Kunst, sondern auch des Denkmalschutzes und der Wahrung des kulturellen Erbes. Laut Wikipedia umfasst das Welterbe in Italien zahlreiche bedeutende Stätten, die für ihre architektonischen und historischen Qualitäten anerkannt sind.
Mit der laufenden Untersuchung bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen getroffen werden und wie sich die Situation um das Fresko weiterentwickeln wird. Die Gespräche zwischen den zuständigen Stellen und der Öffentlichkeit könnten einen neuen Dialog über die Rolle moderner Ikonografie in historischen Kontexten anstoßen.