In Vorarlberg sind Frauen stark von Einkommensungleichheiten betroffen. Heute, am 10. Februar 2026, wurde bekannt, dass Frauen in der Region aufgrund dieser Unterschiede jährlich 80 Tage lang kostenlos arbeiten. Diese erschreckende Zahl steht im Kontrast zum österreichweiten Durchschnitt, der bei 57 Tagen liegt. In Vorarlberg verdienen Frauen im Schnitt 20% weniger als ihre männlichen Kollegen, was die Region zum Spitzenreiter in Bezug auf Einkommensunterschiede in Österreich macht. Im Gegensatz dazu beträgt der Verdienstunterschied in Wien lediglich 4,2%.

Hannes Tschütscher von der Fachhochschule Vorarlberg stellte fest, dass die starke Präsenz der Sachgüterproduktion in Vorarlberg ein wesentlicher Faktor für die ausgeprägten Einkommensunterschiede ist. Diese Branche ist nicht nur besser entlohnt, sondern auch von Männern dominiert. In diesem Kontext ist relevant zu erwähnen, dass 55% der Frauen in Vorarlberg in Teilzeit arbeiten, während nur 11% der Männer Teilzeitstellen innehaben. Dies könnte die ermittelten Zahlen weiter verzerren, da Teilzeitkräfte in der Einkommensstatistik nicht erfasst sind.

Reaktion auf die EU-Lohntransparenzrichtlinie

Die Arbeiterkammer Vorarlberg kritisiert zudem, dass die bestehende Berichtspflicht nur für große Unternehmen gilt. Gloria Kinsperger von der Kammer äußerte ihre Hoffnungen in die neue EU-Lohntransparenzrichtlinie. Diese muss bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Gemäß der Richtlinie sind Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern verpflichtet, umfassende Lohnberichte zu erstellen. Dies könnte Arbeitnehmern die Möglichkeit geben, Einblick in die Verdienstverhältnisse vergleichbarer Positionen zu erhalten.

Allerdings gibt es Bedenken, dass viele Unternehmen in Vorarlberg Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Richtlinie haben. Derzeit fehlt vielen Firmen die notwendige Infrastruktur, und es bleibt unklar, ob die Informationspflicht auch für kleinere Unternehmen gelten wird. Der Gesetzesentwurf zur Umsetzung wird für das erste Quartal 2026 erwartet.

Gender Pay Gap im Überblick

Gemäß den jüngsten Studien, die sich mit dem Gender Pay Gap befassen, beschreibt dieser die Differenz im Verdienst pro Stunde zwischen Frauen und Männern. Der Gender Pay Gap variiert je nach Einkommensverteilung, Beschäftigungssektoren und Anforderungsniveau. Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes beträgt der Gender Pay Gap bei einem hohen Anforderungsniveau 20,9%, während er bei mittlerem Anforderungsniveau auf 16,1% und bei niedrigem Anforderungsniveau auf 9,9% sinkt. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Lohnunterschiede oft stark von der Branchenzugehörigkeit und den jeweiligen Tätigkeitsfeldern abhängen, wie die Bundesstiftung Gleichstellung erläutert.

Die Berechnung des Gender Pay Gap erfolgt sowohl unbereinigt als auch bereinigt. Der unbereinigte Gender Pay Gap zeigt die Durchschnittswerte zwischen den Geschlechtern, ohne Anpassungen vorzunehmen. Der bereinigte Gender Pay Gap erfasst Unterschiede, die auf Beruf, Branche oder Qualifikation zurückzuführen sind, und bietet damit einen präziseren Blick auf mögliche Verdienstdiskriminierung. Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass nicht alle relevanten Einflussfaktoren in diesen Berechnungen erfasst sind, wie etwa Erwerbsunterbrechungen oder Teilzeitarbeit, erläutert Destatis.

Die akuten Ungleichheiten im Verdienst zwischen den Geschlechtern müssen weiterhin verstärkt in den Fokus gerückt werden. Es bedarf gezielter politischer Maßnahmen, um die verschiedenen Mechanismen des Gender Pay Gap zu adressieren, insbesondere in Regionen wie Vorarlberg, wo die Herausforderungen besonders ausgeprägt sind.