Frankreichs Premier Sébastien Lecornu hat angekündigt, die Produktion von Atomstrom bis zum Jahr 2030 erheblich zu erhöhen. Atomstrom deckt derzeit etwa zwei Drittel der französischen Elektrizitätsversorgung ab, und das Land ist nach den USA der zweitgrößte Erzeuger von Atomstrom. Diese Strategie wird auch von der Tatsache unterstützt, dass Frankreich im Jahr 2022 von einem Nettostromexporteur zu einem Nettostromimporteur wurde, was die Notwendigkeit eines Ausbaus der eigenen Energieerzeugung verdeutlicht. Dies berichtet die Kleine Zeitung.

Um den steigenden Energiebedarf zu decken, der laut dem Netzbetreiber RTE bis 2035 um 25 bis 40 Prozent höher liegen könnte als 2022, plant die französische Regierung massive Investitionen in die Atomkraft. Laut RTE könnte die Atomkraft bis zu 400 Terawattstunden zur Deckung des Strombedarfs im Jahr 2035 beitragen. Gleichzeitig sollen erneuerbare Energien, vor allem Wind- und Solarenergie, ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, jedoch in einem langsamer als zuvor geplanten Tempo expandieren. Hierbei gibt es erhebliche Herausforderungen, einschließlich eines Mangels an Kandidaten für Offshore-Windparks und Schwierigkeiten bei der Anbindung an bestehende Stromnetze.

Die Rolle der Erneuerbaren Energien

Obwohl Frankreichs Strategie zur Erhöhung der Atomstromproduktion klar ist, bleibt die Förderung erneuerbarer Energien als zweite Säule der Energieversorgung ein zentraler Bestandteil der nationalen Energiestrategie. Es wird angestrebt, den Anteil fossiler Energiequellen bis 2030 von 58 Prozent im Jahr 2023 auf 40 Prozent zu senken. Derzeit liegt der Anteil fossiler Energieträger im Strombereich bei etwa fünf bis neun Prozent, was Frankreich im europäischen Vergleich eine vergleichsweise niedrige CO2-Emission von etwa 22 Gramm pro Kilowattstunde ermöglicht.

Im Vergleich dazu emittierte Deutschland 2025 etwa 360 Gramm CO2 pro Kilowattstunde, während Österreich mit rund 86 Gramm weiterhin oberhalb des französischen Wertes liegt. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Kernenergie für die CO2-Reduktion in Frankreich und zeigen das ambitionierte Ziel auf, bis 2030 verstärkt auf saubere Energiequellen zu setzen.

Wirtschaftliche Aspekte und Preissituation

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Frankreich zeichnen ein komplexes Bild. Die Energieimportkosten sind im Jahr 2022 auf 116 Milliarden Euro gestiegen, und die Strompreise für Verbraucher sind um 7 Prozent und für Unternehmen sogar um 23,4 Prozent angestiegen. Die Regierung hat verschiedene Fördermaßnahmen eingeführt, darunter eine Preisbremse für Strom und Gas sowie eine Senkung der Elektrizitätssteuer von 13,6 Prozent auf 2,5 Prozent, um die Bürger zu entlasten. Gleichzeitig wird jedoch eine weitere Erhöhung der Strompreise erwartet.

Für die Zukunft plant die französische Regierung, die Leistung von Wind- und Solarkraftwerken bis 2035 auf zwischen 270 und 320 Terawattstunden zu steigern. Um dies zu erreichen, sollen neue Gesetze zur Vereinfachung der Genehmigungsverfahren für Wind- und Solarprojekte beitragen, trotz des Widerstands in der Bevölkerung. Zudem wird eine nationale Wasserstoffstrategie verfolgt, bei der 4 Milliarden Euro investiert werden sollen, um die Produktionskapazitäten bis 2026 auf 1.000 Megawatt auszubauen.

Insgesamt bleibt Frankreich ein wichtiger Akteur im europäischen Energiemarkt, insbesondere in der Nutzung von Kernenergie. Im Jahr 2024 betrug der Anteil Frankreichs an der gesamten Kernenergieproduktion in der EU 58,6 Prozent, wobei das Land im Vergleich zu anderen EU-Staaten spürbare Steigerungen in der Produktion verzeichnete. Diese Entwicklung zeigt sowohl den festen Glauben an die Kernkraft als auch die Herausforderungen und Chancen, die mit dem Übergang zu einer nachhaltigeren Energieversorgung verbunden sind, wie Germany Trade & Invest und Destatis belegen.