Ein jüngster Vorfall in Kärnten hat die Debatte über den Schutz von Wölfen und deren Abschuss erneut angeheizt. Am 6. Februar 2026 wurde ein Wolf, der Teil eines Telemetrie- und Monitoring-Projekts der Universität Udine war, in Obervellach getötet. Der Wolf stammte ursprünglich aus Italien und sollte wichtige Daten über Wanderbewegungen und Raumnutzung alpiner Wölfe liefern. Gerald Friedl, Obmann des Vereins Wölfe in Österreich, bezeichnete den Abschuss als erhebliche Einschränkung der Forschung und kritisierte, dass dies den Verlust eines wichtigen Instruments des Wolfsmonitorings darstellt.

Seit dem Inkrafttreten der Kärntner Wolfsverordnung im Jahr 2022 wurden über 30 Wölfe in der Region erschossen. Friedl sieht diese Abschüsse als einen klaren Widerspruch zur Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) und äußert, dass die Politik in Kärnten EU-Recht ignoriere. Insbesondere bemängelt er, dass keine Maßnahmen zum Schutz sensibler Forschungsdaten wie den Bewegungsdaten des besenderten Wolfes getroffen wurden, die vor dem Abschuss in sozialen Medien verbreitet wurden.

Kritik an der Abschussplanung und -praxis

Friedl hebt hervor, dass der wolfische Forschungsauftrag durch den Abschuss stark beeinträchtigt wurde. Während das Land Kärnten den Abschuss als verordnungskonform bezeichnet und angibt, dass eine gültige Entnahmefreigabe für einen „Risikowolf“ vorlag, widerspricht dies den Bedenken von Wissenschaftlern und Naturschützern. Laut dem Büro des Landeshauptmannstellvertreters Martin Gruber (ÖVP) wurde der Abschuss ordnungsgemäß innerhalb des Zielungsgebiets innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Dennoch wurde bei der Kadaverbegutachtung erst festgestellt, dass es sich um den besenderten Wolf handelte.

Die Einschätzung von sogenannten „Risikowölfen“ wird ebenfalls angezweifelt. Friedl verweist auf Studien, die zeigen, dass Wölfe nur in minimalen, aggressiven Begegnungen als gefährlich gelten und dass es in Österreich keine dokumentierten Fälle solcher Aggressionen gebe. Dennoch erfolgen viele Abschüsse unter diesem Begriff.

Widersprüchliche Berichterstattung und Monitoring

Die Diskussion um Wolfsabschüsse wird zusätzlich durch die Art-17-Meldung Österreichs an die Europäische Kommission vom November 2025 kompliziert. Darin wird der Erhaltungszustand des Wolfs als ungünstig klassifiziert, während die tatsächlichen Abschüsse und das unzureichende Monitoring die Population weiter unter Druck setzen. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat in ihrem Monitoringbericht vom 11. November 2025 Zahlen veröffentlicht, die große Defizite im Wolfsbestand aufzeigen.

Wesentliche Ergebnisse des Monitorings
276 bestätigte Territorien
1.636 nachgewiesene Individuen
163 tote Wölfe (124 Verkehrstote, 16 illegale Tötungen, 3 Management-Entnahmen)
Wachstum des Vorkommensgebiets um 5 %

Dennoch ist die DBBW aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit vom Bundesumweltministerium und ihrer Rolle innerhalb dieser Struktur nicht unabhängig. Friedl fordert eine transparente Handhabung von Abschüssen, die Einhaltung des europäischen Artenschutzrechts und eine wissenschaftlich fundierte Definition von „Problem- oder Risikowölfen“. Das Büro von Martin Gruber hat betont, dass es in Kontakt mit der Universität Udine steht und bedauert, dass der Verlust des besenderten Wolfs keine weiteren Monitoringdaten ermöglicht.

Die Situation wirft grundlegende Fragen zu den Wolfsmanagementpraktiken in Österreich auf und verstärkt die Forderungen nach einer Überprüfung der Abschusspolitik, um sicherzustellen, dass sowohl der Artenschutz als auch die Forschungsinteressen gewahrt bleiben.