In Österreich hat sich der Umgang mit Alkohol in den letzten Jahren stark verändert. Aktuellen Schätzungen zufolge leidet jeder dritte Österreicher an einem gesundheitlich bedenklichen Konsummuster. Marlies Gruber, Ernährungswissenschaftlerin und Geschäftsführerin von Forum.ernährung heute, betont die kulturellen Prägungen, die den Alkoholkonsum in Österreich stark beeinflussen. Während in nördlichen Ländern Alkohol zumeist nur am Wochenende konsumiert wird, ist er im Süden Europas oft fester Bestandteil der Mahlzeiten. Diese Unterschiede fusionieren in Mitteleuropa und führen zu einer „alkohol-determinierte“ Kultur.
Österreich steht weltweit im oberen Bereich des Alkoholkonsums. Statistiken zeigen, dass pro Kopf jährlich 11,1 Liter reiner Alkohol konsumiert werden, gleichauf mit Estland. Spitzenreiter im Alkoholkonsum sind Litauen, gefolgt von Bulgarien, Tschechien und Lettland. Der Durchschnitt in den OECD-Staaten liegt hingegen deutlich niedriger. Besonders alarmierend, so das Gesundheitsministerium, sei der Anstieg alkoholkranker Frauen, der als unterschätzter Trend wahrgenommen wird.
Kulturelle Prägung und soziale Aspekte
Alkohol hat seit jeher eine zentrale Rolle in den Gesellschaften gespielt. Schon bei antiken Zivilisationen, wie den Sumerern, wurde Alkohol produziert und konsumiert. Historiker heben hervor, dass gemeinschaftliches Trinken in frühen Gesellschaften eine wesentliche soziale Funktion hatte. Aktuell wird der Alkoholkonsum oftmals als Teil der Alltagskultur betrachtet, was sich in gesellschaftlichen Anlässen widerspiegelt. Die Gründe für den Konsum sind vielfältig: Sie reichen von der Erleichterung sozialer Kontakte bis hin zur Stressreduktion und Dämpfung emotionaler Erregungen.
Im europäischen Raum zeigt sich eine „Permissivkultur“, in der maßvoller Konsum akzeptiert, exzessives Trinken jedoch insgesamt abgelehnt wird. Gleichzeitig entwickelt sich diese Kultur jedoch auch in eine „permissiv-funktionsgestörte“ Richtung, in der eine höhere Toleranz für exzessives Trinken zu beobachten ist. Für Jugendliche kann der Alkoholgebrauch als erlaubt betrachtet werden, jedoch zeigt sich, dass viele trotz gelegentlichen Konsums kein Alkoholproblem entwickeln.
Jugendliche und Alkohol
Das Einstiegsalter für den Alkoholkonsum in Österreich liegt häufig zwischen 12 und 14 Jahren. Früher Konsum ist ein bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung einer Sucht. Claudia Kahr von Vivid berichtet, dass der Anteil der Jugendlichen, die keinen Alkohol trinken, seit 2007 deutlich gestiegen ist. Dennoch bleibt Alkohol für viele Jugendliche ein wichtiges Instrument zur Identitätsfindung und ist oft mit der Kontaktaufnahme zum anderen Geschlecht verbunden.
Die Entwicklung präventiver Maßnahmen ist von großer Bedeutung. Die Balance zwischen kulturellem Konsum und problematischem Verhalten muss in der Suchtprävention im Vordergrund stehen. Dabei ist es wichtig, offener mit dem Thema Alkohol umzugehen, um einen verantwortungsvollen Konsum zu fördern.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Herausforderungen rund um den Alkoholkonsum in Österreich und darüber hinaus komplex sind. Mit dem Ziel, den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern, bleibt die Auseinandersetzung mit den Motiven und Mustern des Konsums unerlässlich.
Für weitere Informationen zu diesem Thema sind die Artikel von exxpress, Deutschlandfunk und Bundeszentrale für politische Bildung empfehlenswert.