In einer kontroversen Wendung rund um ein Interview mit Clint Eastwood hat der Senat 3 des Presserats den „Kurier“ für seine Berichterstattung gerügt. Anlässlich seines 95. Geburtstags wurde ein Frage-Antwort-Format veröffentlicht, das Eastwood selbst als „frei erfunden“ bezeichnete. Der Schauspieler gab an, in den Wochen vor der Veröffentlichung nicht mit Journalisten gesprochen zu haben. Inzwischen haben zahlreiche Medien, darunter Reuters, Zitate aus dem Interview übernommen, was nun zu einem ernsthaften Vertrauensskandal in den Medien führt. Der Kleine Zeitung zufolge entschuldigte sich der „Kurier“ dafür, dass nicht klar war, dass es sich um kein aktuelles Interview handelte.

Eine zentrale Figur in diesem Fall ist die Journalistin Elisabeth Sereda, die das Interview führte. Sie erklärte, dass es gängige Praxis sei, zu Geburtstagen eine Zusammenstellung von früheren Interviews zu verwenden, in diesem Fall Zitate aus einem früheren Gespräch, das in Zusammenhang mit Eastwoods Film „Juror No. 2“ geführt wurde. Dieser Film kam in Österreich nicht in die Kinos, was die Verwendung des alten Materials rechtfertigte, wie Die Presse detailliert berichtet. Eastwood äußerte jedoch, dass er nie mit dem „Kurier“ gesprochen habe, was durch die Umstände der Interviewführung in Frage gestellt wird.

Die Reaktion des Presserats

Der Presserat stimmte der Ansicht nicht zu, dass es üblich sei, ältere Interviewausschnitte in dieser Weise zu präsentieren. In einer Stellungnahme des Senats wurde klargemacht, dass Leser immer über die Herkunft der Zitate informiert werden müssen. In der Verhandlung versicherte der Chefredakteur des „Kurier“, Martin Gebhart, dass die Redaktion nicht damit rechnete, dass die Aussagen aus älteren Gesprächen stammten. Diese Überlegung wurde jedoch als nicht ausreichend angesehen, und der Senat forderte die Veröffentlichung der Entscheidung. Die nachfolgende Entscheidung führte dazu, dass der „Kurier“ die Zusammenarbeit mit Sereda beendete und frühere Berichte von ihr überprüfte.

Der Vorfall wirft grundlegende Fragen über die Transparenz und Verlässlichkeit im Journalismus auf. In Anlehnung an den Fall Claas Relotius, der durch das Fälschen von Reportagen auffiel, ruft diese Situation zu einer kritischen Betrachtung der journalistischen Standards auf. Raffaela Schaidreiter, Korrespondentin des ORF, betonte in einer Dankesrede die Notwendigkeit, die Pflicht zur Selbstreflexion ernst zu nehmen und die Beziehung zwischen Journalisten und ihren Themen in den Mittelpunkt zu stellen. Laut News.at müsse der Journalismus mehr wertschätzen, dass er über Personen berichtet, ohne selbst zu den Stars zu werden.

Fazit und Ausblick

Die Diskussion rund um das Eastwood-Interview führt zu einem starken Aufruf zur umfassenden Selbstprüfung innerhalb der Medienlandschaft. Ein Mangel an Transparenz und der Wunsch nach sensationellen Geschichten scheinen oft die journalistischen Grundsätze zu gefährden. Um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen, müssen Medien in Zukunft klarer kommunizieren und die Integrität ihrer Berichterstattung wahren.