Die Welt trifft sich in Davos: Am 19. Jänner 2026 hat die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums begonnen, und alles blickt gespannt auf die Rede von US-Präsident Donald Trump. Diese Tagung steht im Schatten seiner kontroversen Forderung nach einer Übernahme Grönlands, was zusätzliche Aufmerksamkeit auf die diplomatischen Diskussionen lenkt, die in den kommenden Tagen erwartet werden. Unter den insgesamt rund 3.000 Teilnehmern, die Spitzenpolitiker und Konzernchefs umfassen, wird auch der österreichische Bundeskanzler Karl Stocker erwartet, der am Dienstag und Mittwoch an verschiedenen Gesprächen teilnehmen wird. Das Motto der Tagung lautet „Im Geiste des Dialogs“, was die Wichtigkeit eines konstruktiven Austausches unterstreicht, insbesondere in geopolitisch herausfordernden Zeiten.
Für den Dienstag hat der Kanzler unter anderem ein Treffen mit dem Premierminister der Region Kurdistan-Irak, Masrour Barzani, sowie dem Präsidenten von Panama, José Raúl Mulino, eingeplant. Zudem werden Gespräche mit Vertretern von META stattfinden. Am Mittwoch stehen weitere bedeutende Treffen an, darunter mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah El-Sisi. Auch Gespräche mit Chuck Robbins, dem Vorstandsvorsitzenden von Cisco und Vorsitzenden des „Business Roundtable“, sowie Philipp Justus, dem Vizepräsidenten von Google für Zentraleuropa, sind auf der Agenda. Die Schwerpunkte dieser wirtschaftspolitischen Arbeitstreffen werden auf die neu beschlossene österreichische Industriestrategie gelegt, die ein zentrales Thema der diesjährigen Tagung darstellt.
Neue Industriestrategie für Österreich
Österreich befindet sich in einer entscheidenden Phase hinsichtlich seiner Industriepolitik. Laut Informationen von bmimi.gv.at fehlt es dem Land bisher an einer langfristigen Industriestrategie, während andere Industrienationen wie Deutschland, die USA, China und das Vereinigte Königreich bereits entsprechende Strategien haben. Die österreichische Bundesregierung plant, strategische Leitlinien zu entwickeln, um einen wettbewerbsfähigen und innovativen Industriestandort bis 2035 zu fördern. Die Zielsetzung umfasst unter anderem die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sowie die Förderung von Schlüsseltechnologien und die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur.
Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer hebt die Dringlichkeit eines umfassenden Maßnahmenplans zur Reduzierung von Energiekosten und Bürokratie hervor. Gleichzeitig fordert der Staatssekretär Sepp Schellhorn eine Reform der Industriepolitik zur Förderung der Digitalisierung und Abbau von bürokratischen Hürden. Der Dialog zur Erarbeitung dieser Strategie wird in mehreren Phasen von der Plattform Industrie 4.0 koordiniert und umfasst auch die aktive Mitgestaltung durch Akteure aus der Industrie und Gesellschaft.
Geoökonomie im Fokus
Ein weiterer zentraler Aspekt, der aus den Entwicklungen hervorgeht, ist die wachsende Bedeutung der Geoökonomie. Sie hat in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen, da Handels- und Investitionsflüsse zunehmend geopolitisch beeinflusst werden. Dies wurde auch während der Geoökonomiekonferenz diskutiert, die im Oktober 2025 stattfand und die Notwendigkeit betonte, Wirtschaft und Sicherheit als zusammenhängende Herausforderungen zu begreifen. Es wurde deutlich, dass autokratische Staaten wie Russland und China Handel als Machtinstrument nutzen, was die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Strategie unterstreicht.
Die Zunahme von Handelshemmnissen gefährdet nicht nur den Wohlstand, sondern auch das Wachstum in der gesamten Region. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurden Vorschläge zur Stärkung der Wirtschaftssicherheit diskutiert, wie die Definition kritischer Industrien und die Ansiedlung von Schlüsselbranchen. Durch die Fragmentierung von Handelsbeziehungen, geprägt durch geopolitische Spannungen, stehen Länder wie Deutschland und Österreich vor der Aufgabe, ihre wirtschaftlichen Interessen neu zu justieren und ein stabiles und resistentes Handelssystem zu sichern.
Die vierte industrielle Revolution sowie die Herausforderungen der Digitalisierung und der Klimakrise machen eine klare Strategie umso wichtiger. Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse aus der Zusammenarbeit der internationalen politischen und wirtschaftlichen Akteure in Davos resultieren werden. Die kommenden Tage werden entscheidend dafür sein, die Richtung der internationalen Wirtschaftspolitik zu gestalten.