In der aktuellen Debatte um die Zukunft der Kulturpolitik äußert der kaufmännische Geschäftsführer des Burgtheaters, Christian Kircher, ernsthafte Bedenken hinsichtlich der finanziellen Situation großer Kulturinstitutionen in Österreich. Laut Kircher sind die Sparpotenziale nahezu ausgeschöpft, und weitere Einsparungen würden das kulturelle Programm ernsthaft gefährden. Er verlangt von der Politik ein klares Bekenntnis zur Werthaltigkeit der Basisabgeltung, um die strukturellen Probleme der hohen Personalkosten und den notwendigen kulturpolitischen Auftrag anzugehen. Kircher betont, dass Sparmaßnahmen bei Institutionen wie den Bundestheatern schädlich sind und plant, Szenarien zu berechnen, die auch mögliche Schließtage umfassen, um langfristige Schäden aufzuzeigen.

Die gesellschaftliche Bedeutung der darstellenden Kunst erkennt Kircher unmissverständlich an. Er weist darauf hin, dass viele Menschen, auch solche, die noch nie eine Oper besucht haben, stolz darauf sind. Dennoch sieht er dringenden Nachholbedarf in der Vermittlungsarbeit kultureller Institutionen. In einer Zeit, in der Themen wie #Metoo und Wokeness in der Gesellschaft und damit auch in der Kulturpolitik präsent sind, fordert er Programme zur Compliance und zum Kinderschutz, um das Vertrauen in die Institutionen zu stärken.

Herausforderungen und Perspektiven der Kulturpolitik

Auf die Herausforderungen, vor denen die Kulturbranche steht, hinweist Kircher besonders den Einfluss neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI). Er äußert Bedenken über deren Auswirkungen auf die Medienlandschaft und betont, dass die Leistung der darstellenden Kunst nicht durch KI ersetzt werden kann, da sie von menschlicher Präsenz lebt. Der Diskurs über die Rolle von Kunst in der Gesellschaft wird in Deutschland von vielen Akteuren geprägt, darunter Parlamente, Behörden und NGOs, die unterschiedliche Interessen vertreten. In diesem Kontext ist das Grundgesetz von entscheidender Bedeutung, da es die Kunstfreiheit sichert und eine politische Trennung von Kunst und Kultur befördert, die besonders nach dem Nationalsozialismus in Deutschland unverzichtbar ist.

Die Kulturpolitik selbst erstreckt sich über viele Ebenen: kommunal, landesweit, bundesweit und international. Jüngste Bestrebungen nach einem modernen, offenen Kunstbegriff ermöglichen es, auch alltägliche kulturelle Handlungen einzubeziehen, was die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln soll. Der Deutsche Kulturrat trägt maßgeblich dazu bei, verschiedene Kunstsparten zu vertreten.

Finanzierung und Förderung der Kultur

Im Hinblick auf die Finanzierung ist festzustellen, dass die Kultur in Deutschland stark öffentlich subventioniert wird. Im Jahr 2020 betrugen die öffentlichen Ausgaben für Kultur rund 14,5 Milliarden Euro, wobei die Pro-Kopf-Finanzierung stark zwischen den Bundesländern variiert. Staatliche Förderungen gewährleisten die Unabhängigkeit der Kultureinrichtungen vom Markt, dürfen jedoch nicht zu einer Einflussnahme auf die Kunst führen. Diese Balance zwischen staatlicher Unterstützung und künstlerischer Freiheit ist für eine lebendige Kultur von essenzieller Bedeutung. Zudem wird eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Kulturbranche gefordert, um die Teilhabe an kulturellen Angeboten für alle Bevölkerungsgruppen zu fördern.

Angesichts dieser Herausforderungen wird die Forderung nach einer klaren Strukturinnovation in der Kulturpolitik laut, um einen dynamischen und inklusiven kulturellen Raum zu schaffen. Die Zukunft der Demokratie hängt maßgeblich von der Fähigkeit der Kunstinstitutionen ab, demokratische Prinzipien zu fördern und das kulturelle Leben für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die kulturellen Angebote sollen nicht nur reflektieren, sondern auch einen Raum für Diskussion und Gemeinschaft bieten.

Kircher selbst wird ab dem 1. April in einem Ehrenamt als Vorstand des Vereins beim Carinthischen Sommer tätig sein, hat jedoch noch keinen neuen Job nach seiner Pensionierung gefunden. In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen in der Kulturbranche, bleibt abzuwarten, wie sich die Politik positionieren wird, um die Weichen für eine nachhaltige Förderung und Entwicklung der Kultur zu stellen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zukunft der Kulturpolitik in Deutschland und Österreich von zahlreichen Faktoren abhängt, darunter die Sicherstellung von Finanzierung, die gesellschaftliche Relevanz kultureller Initiativen und die ständige Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Die kulturelle Landschaft verlangt nach einem neuem Bewusstsein für ihre gesellschaftliche Schlüsselfunktion.

Weitere Informationen können Sie in den Berichten von der Kleinen Zeitung, der Bundeszentrale für politische Bildung und Politik und Kultur nachlesen.