Im Nordburgenland nehmen die Sichtungen der Südrussischen Tarantel (Lycosa singoriensis) alarmierend zu. Diese beeindruckende Spinnenart erreicht eine Körperlänge von bis zu drei Zentimetern und ist durch ihre Behaarung leicht erkennbar. Experten wie Klaus Michalek vom Naturschutzbund Burgenland beruhigen die Bevölkerung: Die Taranteln sind harmlos und stehen unter Schutz. In sozialen Netzwerken kursieren regelmäßig Fotos dieser Tiere, die besonders in den warmen, trockenen Regionen des Seewinkels verbreitet sind.
Die Südrussische Tarantel ist für Menschen ungefährlich, dennoch sollte man vorsichtig sein. Laut Michalek beißen die Spinnen nur, wenn sie sich bedroht fühlen, und ein Biss wäre schmerzhaft, ähnlich einem Wespenstich. Dennoch wurde in Österreich bislang noch kein Tarantelbiss nachgewiesen. Besonderes Augenmerk sollte im Herbst auf die Männchen gelegt werden, die auffälliger um Weibchen werben, während letztere Schutzquartiere für den Winter suchen.
Taranteln im Vormarsch
Erst kürzlich wurde auf der Webseite des Naturschutzbundes darauf hingewiesen, dass sowohl die Südrussische Tarantel als auch die Schwarzbäuchige Tarantel (Hogna radiata) vermehrt in die Nähe menschlicher Siedlungen vordringen. Diese Entwicklung wird vor allem durch die Suche nach Partnern und geschützten Winterquartieren begünstigt. So wurden in den vergangenen Jahren viele neue Vorkommensgebiete für die Taranteln dokumentiert.
Im Herbst 2024 gab es etwa sieben Meldungen aus Kärnten, worunter die Schwarzbäuchigen Taranteln regelmäßig im Südburgenland und westlich bis Graz gesichtet werden. „Die Weibchen können sich gelegentlich in Häuser, Garagen oder Keller verirren“, hebt die Organisation hervor. Hier empfiehlt es sich, die Tiere in ein Glas zu transportieren und sie sicher nach draußen zu bringen, anstatt sie zu töten.
Die Biologie der Taranteln
Die Südrussische Tarantel gilt als die größte Spinne Mitteleuropas mit einer Körpergröße von bis zu 3,5 cm. Sie bevorzugt sandige Böden mit wenig Vegetation und hohe Temperaturen, oft bevorzugt sie die Uferregionen von Gewässern. Ihre Behaarung ermöglicht es ihr, Wasser abzuweisen, was ihnen schnelles Laufen über Wasseroberflächen ermöglicht und ein vorübergehendes Verweilen unter Wasser erlaubt.
Die Schwarzbäuchige Tarantel wird bis zu 2,5 cm groß und findet sich bevorzugt in mediterranen, trockenen Regionen. Ihre nördliche Verbreitungsgrenze liegt im Süden Österreichs, wo sie regelmäßig beobachtet wird. Diese beiden Arten sind Teil eines umfassenden Monitoring-Programms, das seit 2006 unter der Plattform www.naturbeobachtung.at läuft. Laut offiziellen Daten wurden bisher 187 Meldungen zur Südrussischen Tarantel und 171 zur Schwarzbäuchigen Tarantel aus Österreich eingegeben.
In einem spannenden Naturschutzprojekt raten Fachleute dazu, Sichtungen über diese Plattform oder die gleichnamige App zu melden. Solches Engagement hilft nicht nur beim Schutz der Arten, sondern fördert auch das Bewusstsein für die faszinierende Tierwelt Österreichs und die Notwendigkeit, auch die harmlosesten Geschöpfe zu schützen.