
Der Western "Rust", der in den letzten drei Jahren die Schlagzeilen prägte, feierte kürzlich seine Premiere auf einem renommierten Filmfestival in Polen. Die Veranstaltung fand im Internationalen Filmfestival der Filmkunst Camerimage in der Stadt Torun statt und stand ganz im Zeichen einer Schweigeminute für die tragisch verstorbene Kamerafrau Halyna Hutchins, die 2021 während der Dreharbeiten ums Leben kam.
Hutchins verlor ihr Leben durch einen Schuss aus einer Waffe, die vom Hauptdarsteller und Koproduzenten Alec Baldwin abgefeuert wurde. Der Vorfall ereignete sich während einer Probe nahe Santa Fe, New Mexico, als Baldwin die Waffe auf Hutchins richtete, ohne den Abzug zu betätigen. „Ich habe den Hahn nach hinten gezogen“, erklärte Baldwin später. Der Schuss hatte fatale Folgen: Hutchins starb und Regisseur Joel Souza wurde verletzt.
Dedikationsakt und Erinnerungen
Die Premiere war ein bemerkenswerter Moment, da sie nicht nur die Schaffenskraft der verstorbenen Kamerafrau würdigte, sondern auch die Emotionen aller Anwesenden berührte. Souza, der den Film in Polen präsentierte, sprach über die große Herausforderung, die Dreharbeiten nach solch einem tragischen Vorfall wieder aufzunehmen. „Es tat einfach zu sehr weh“, sagte er. Hutchins' Ehemann, Matthew, übernahm die Rolle des ausführenden Produzenten, um sicherzustellen, dass das Werk seiner Frau die Anerkennung erhält, die es verdient.
Der Film selbst dreht sich um die bewegende Geschichte eines 13-jährigen Jungen, der verloren und von seiner Familie entfremdet ist, nachdem er versehentlich einen Rancher erschossen hat. Als er mit seinem Großvater, gespielt von Baldwin, flüchtet, wird eine packende Erzählung entfaltet. Bianca Cline, die nach dem Unglück ins Projekt einstieg, erzählte, dass Hutchins maßgeblich zur visuellen Gestaltung des Films beitrug und viele ihrer Notizen in ihre Arbeit einflossen.
Abwesenheit von kritischen Stimmen
Es ist bemerkenswert, dass Hutchins' Mutter, die gegen Baldwin und die Produktionsfirma klagt, der Premiere fernblieb. Ihre Abwesenheit ist von emotionalen Belastungen geprägt; sie sieht den Film als Versuch Baldwins an, durch den Tod ihrer Tochter Vorteile zu ziehen. Auch Baldwin selbst war nicht bei der Premiere anwesend. Hutchins' Mutter äußerte durch einen Anwalt: „Alec Baldwin vergrößert meinen Schmerz mit seiner Weigerung, sich bei mir zu entschuldigen.“ Diese zugespitzte Rivalität hat die Bande zwischen den Beteiligten belastet und wirft einen Schatten auf den gesamten Film.
Zudem wurde die Premiere von weiteren Kontroversen um die Veranstaltung begleitet. Ein früherer Fall gegen Baldwin wegen fahrlässiger Tötung wurde eingestellt, da die Polizei und Staatsanwaltschaft laut dem Gericht Beweise zurückgehalten hätten. Hingegen erhielt die Waffenmeisterin, die für die Sicherheitsvorkehrungen am Set verantwortlich war, eine 18-monatige Haftstrafe, da ihr vorgeworfen wurde, scharfe Munition ins Set gebracht zu haben, und grundlegende Sicherheitsmaßnahmen außer Acht gelassen wurden.
Das Festival in Polen selbst bleibt ebenfalls nicht von Kritik verschont, da es von verschiedenen Kontroversen um die Äußerungen des Festivalgründers Marek Żydowicz überschattet wird, die als sexistisch wahrgenommen wurden. Dies führte dazu, dass prominente Filmemacher, wie Steve McQueen, ihre Teilnahme zurückzogen, was die Spannungen am Festival zusätzlich verstärkte.
Die Organisatoren des Camerimage Festivals waren sich bewusst, dass der Film "Rust" gemischte Reaktionen hervorrufen könnte, entschieden sich jedoch dennoch dafür, Hutchins diesen bedeutenden Tribut zu zollen. „Wir wollten die Respektierung und den Wert ihrer Arbeit nicht aus den Augen verlieren“, erklärte Żydowicz. Inmitten all dieser Herausforderungen bleibt die Lobrede auf Hutchins und ihr lebensbejahendes Erbe im Gedächtnis der Zuschauer und der Filmindustrie lebendig.
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