Am 9. Jänner 2026 findet ein bedeutender Prozess gegen eine Jugendbande statt, der sich aus der Eskalation eines Bandenkriegs im Sommer 2024 in Wien-Meidling ergibt. Dieser Prozess, der das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zieht, beruht auf einer schweren Auseinandersetzung zwischen tschetschenischen Jugendlichen und der 505er-Bande, die am 7. Juli 2024 stattfand. Über 30 Gangmitglieder waren an dieser Straßenschlacht beteiligt, von denen 24 junge Männer identifiziert werden konnten. Bereits am ersten Verhandlungstag standen acht Angeklagte vor dem Wiener Landesgericht und erhielten jeweils sechs Monate bedingte Haft, während die Fortsetzung des Verfahrens mit weiteren acht Angeklagten am kommenden Freitag geplant ist.

In den Fokus des zweiten Prozesstages rückt Luca K. (18), der bereits aus früheren Verurteilungen wegen Terrorismusverherrlichung und Körperverletzung bekannt ist. Er befindet sich in Zwischenhaft in Wiener Neustadt, da er angeblich an der Gewalttat beteiligt war und Teile des Angriffs gefilmt haben soll. Überführt in Handschellen, erklärte Luca K. vor Gericht, dass er von einer geplanten Gewalttat wusste, jedoch nicht über deren Ausmaß informiert war.

Der Tag der Eskalation

Der Vorfall zeichnete sich durch eine minutiöse Planung aus. Am Tag der Eskalation versammelten sich die Täter zu einem Mittagessen und beteten in einer Moschee, bevor sie zur Gewalttat übergingen. Luca K. vermutete, dass Waffen in einer Sporttasche transportiert wurden, und filmte den Übergriff auf ein Opfer, anstatt zu intervenieren. Dies bezeichnete er als Fehler. Er gibt vor Gericht an, geläutert zu sein und absolviert in Haft ein Antigewalttraining sowie ein Deradikalisierungsprogramm. Zwei weitere Angeklagte bekannten sich nicht schuldig, wobei für alle die Unschuldsvermutung gilt.

Experten warnen nicht nur vor dem Anstieg von Bandenkriminalität, sondern setzen sich auch mit der allgemeinen Jugendkriminalität in Österreich auseinander. Laut Informationen von Puls24 zeigt die Betrachtung der letzten Jahre, dass die Gesamtkriminalität in Österreich sinkt, während die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen unter 14 Jahren steigt. Im Jahr 2022 wurden über 10.000 Unter-14-Jährige als tatverdächtig registriert, was 3,4 Prozent aller Tatverdächtigen entspricht.

Jugendkriminalität in Zahlen

  • Häufigste Delikte unter Unmündigen: Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung.
  • Anstieg der Tatverdächtigen unter 14 Jahren im Gegensatz zu Altersgruppen 14- bis 17-Jährigen, die nicht so stark zugenommen haben.
  • Eine niedrige Anzahl von unter 14-Jährigen wurde des Raubes verdächtigt.

Die Wiener Polizei beobachtet eine Zunahme von Straftaten, die von Jugendlichen in Gruppen begangen werden. Allerdings gibt es keinen Hinweis auf echte Banden, sondern vielmehr auf informelle Zusammenschlüsse. Die meisten Jugendlichen treffen sich bevorzugt in Einkaufszentren, Parks und an Bahnhöfen. Soziale Probleme und die Folgen der Corona-Pandemie werden als mögliche Faktoren angesehen, die zu dieser Entwicklung beitragen. Experten betonen, dass eine Senkung des Strafmündigkeitsalters keine abschreckende Wirkung hätte und plädieren für mehr soziale Betreuung und Präventionsprogramme, um dem problematischen Trend entgegenzuwirken.

Diese Situation verdeutlicht die komplexen Herausforderungen, mit denen die Jugendkriminalität in Österreich konfrontiert ist. Die ständigen Auseinandersetzungen und das Ansteigen der Gewalt unter Jugendlichen zeigen, dass ein Umdenken in der Präventionspolitik notwendig ist.