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Antisemitismus wächst unter Jugendlichen: Alarmierende Studienergebnisse

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Antisemitismus in Österreich zunehmend ein Problem bei jungen Menschen darstellt. Die Untersuchung, die seit 2018 alle zwei Jahre durchgeführt wird, basiert auf einer Befragung von 2.037 Personen ab 16 Jahren, die im Oktober und November 2024 stattfand. Zudem gab es eine Zusatzstichprobe von 1.080 Personen mit Migrationshintergrund, insbesondere aus der Türkei und arabischsprachigen Ländern. Laut der Studie haben 13% der Befragten manifeste antisemitische Einstellungen, was einen leichten Rückgang im Vergleich zu 2022 darstellt, als dieser Wert bei 15% lag. Gleichzeitig bleibt der latente Antisemitismus stabil bei 33% (2022: 32%).

Besonders besorgniserregend sind die Ergebnisse unter jüngeren Menschen. So glauben beispielsweise 15% der Befragten unter 25 Jahren, dass die Berichte über Konzentrationslager übertrieben sind. Zudem stimmen 31% der Teilnehmer der Aussage zu, dass man die Juden wegen der Politik Israels verstehen kann – eine Zunahme von 8 Prozentpunkten. 35% der Befragten sind der Meinung, dass Israelis die Palästinenser ähnlich behandeln wie die Deutschen im Zweiten Weltkrieg die Juden, eine Steigerung von 5 Prozentpunkten seit 2022. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Antisemitismus nicht nur in der breiten Gesellschaft verwurzelt ist, sondern auch in jüngeren Altersgruppen zunimmt.

Antisemitismus und Bildungswege

Die Studie hebt hervor, dass Antisemitismus bei Personen mit wenig Wissen über das Judentum und einer Neigung zu Verschwörungsglauben verstärkt auftritt. Auch unter Hochschulabsolventen ist ein Anstieg antisemitischer Einstellungen zu beobachten. Sozialen Netzwerken und deren Medienkonsum tragen ferner zur Verstärkung von Verschwörungsmythen bei. Experten fordern daher eine grundlegende Neubewertung der Holocaust-Education im Bildungssystem sowie eine tiefere Integration des Themas in die Curricula. Nationalratspräsident Rosenkranz äußerte ebenfalls den Wunsch nach einer Verbesserung der schulischen Bildung über den Holocaust und unterstützt den Vorschlag eines Holocaust-Zentrums der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG).

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Antisemitismus bleibt eine ernsthafte Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Grundwerte des Staates. Die historische Perspektive ist dabei ebenfalls von Bedeutung: Antisemitismus hat in Österreich eine lange und tragische Geschichte, die mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 begann und zu Verfolgung, Flucht und Morden führte, die das jüdische Leben in Österreich entscheidend geprägt haben. Diese Überbleibsel der Vergangenheit sind auch heute, mehr als 80 Jahre nach dem „Anschluss“ und den Novemberpogromen, gegenwärtig, was durch die Ergebnisse der jüngsten Studie belegt wird.

Strategien gegen Antisemitismus

Um der Verbreitung von Antisemitismus entgegenzuwirken, engagiert sich das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) durch verschiedene Programme. Diese beinhalten die Aus- und Fortbildung von Lehrpersonal sowie die Erstellung von Lernmaterialien zur Prävention von Antisemitismus. Ein zentrales Element in der Strategie ist das österreichische Zentrum für Antisemitismusforschung, während das Programm ERINNERN:AT Lehrkräfte in der Holocaust-Bildung unterstützt. Im Rahmen der österreichischen EU-Präsidentschaft 2018 wurde der Kampf gegen Antisemitismus als bedeutendes Handlungsfeld ausgewiesen, und die nationale Strategie gegen Antisemitismus umfasst 32 Maßnahmen, wobei zehn im Verantwortungsbereich des BMBWF liegen.

Die Bekämpfung von Antisemitismus ist auch vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen von zentraler Bedeutung. Studien zeigen, dass Antisemitismus tief in der Gesellschaft verankert ist, wodurch viele Jüdinnen und Juden sich belästigt und bedroht fühlen. Es ist unerlässlich, durch Bildung, Forschung und gesellschaftliche Initiativen die Wurzeln des Antisemitismus zu bekämpfen und den Opfern eine Stimme zu geben. Diese Herausforderungen erfordern ein solidarisches und gemeinsames Handeln in der gesamten Gesellschaft.

Weitere Informationen über die Problematik und die Maßnahmen gegen Antisemitismus in Österreich findet man in den Berichten von Kleine Zeitung und BMBWF.

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