In Chile stehen zwei Provinzen, Ñuble und Biobío, im Fokus einer wachsenden humanitären Krise. Präsident Gabriel Boric hat aufgrund mehrerer verheerender Waldbrände den Katastrophenfall ausgerufen. Rund 20.000 Menschen wurden bereits zur Flucht gezwungen. Aktuell kämpfen Rettungskräfte gegen insgesamt 19 Feuer, wovon zwölf in den betroffenen Provinzen wüten. Die genauen Auswirkungen auf das Leben und das Eigentum der Menschen sind derzeit noch unklar, da Informationen über mögliche Opfer oder Zerstörungen fehlen. Die Situation hat sich jedoch bereits bedrohlich entwickelt und erinnert an die verheerenden Brände im Februar 2024, bei denen in Viña del Mar 138 Menschen ihr Leben verloren haben, wie vienna.at berichtet.
Zusätzlich zu Borics Maßnahmen wurde in einigen Regionen die Alarmstufe „Rot“ ausgerufen, die es den Behörden ermöglicht, alle notwendigen Ressourcen mobil zu machen. Der Nationale Dienst für Katastrophenschutz und -hilfe (SENAPRED) hat präventive Evakuierungen angeordnet und Notfallwarnungen an die Mobiltelefone der Bevölkerung versendet. Die Regionaldirektorin der chilenischen Forstbehörde CONAF in Ñuble, Norma Perez, betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den Notfallteams und forderte die Bürger auf, keine unnötigen Risiken einzugehen, indem sie etwa nicht ins brennende Gebiet zurückkehren, bevor es offiziell erlaubt wird. Auch wird von der Bevölkerung abgeraten, im Freien zu grillen oder Geräte zu benutzen, die Funken erzeugen könnten, um das Risiko weiterer Brände zu minimieren, so dw.com.
Ursachen und Vorbeugung
Die aktuellen Brände werden durch mehrere Faktoren begünstigt, darunter eine Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius, trockene Bedingungen und starker Wind. Zudem tragen Monokulturen von Kiefern und Eukalyptus, welche die Forstwirtschaft dominieren, zur erhöhten Brandgefahr bei. Diese Baumarten wurden vor mehr als einem Jahrhundert eingeführt und sind weniger feuchtigkeitsbindend als heimische Wälder, enthalten jedoch viele leicht entzündliche Öle. Ein Umdenken in der Forstwirtschaft wird daher gefordert, um nachhaltigere Bewirtschaftungsmethoden zu etablieren. Forstingenieur Andrés Meza weist darauf hin, dass heimische Wälder weniger anfällig für Brände sind, was auf einen dringenden Bedarf für höhere Umweltstandards hinweist, besonders in Aussicht auf einen neuen Verfassungsprozess, wie berichtet von tagesschau.de.
Die betroffenen Bürger kämpfen unterdessen verzweifelt gegen die Flammen und versuchen, ihre Häuser zu schützen. In den letzten Jahren hat Chile eine besonders heftige Waldbrandsaison durchlebt; im Jahr 2023 wurden über 300.000 Hektar Wald verbrannt und 1180 Haushalte zerstört, was die Notwendigkeit eines effektiven und nachhaltigen Katastrophenschutzes unterstreicht. Die Herausforderungen sind groß und zeigen die Verwundbarkeit der Region gegenüber den Folgen des Klimawandels sowie den Fehlern in der Forstwirtschaft der Vergangenheit.