Eine starre Struktur im Universum erregt derzeit das Interesse von Astronomen: die ohne Sterne existierende Gaswolke „Cloud-9“. Diese Wolke könnte Schlüsselhinweise zu der stets mysteriösen dunklen Materie liefern, die schätzungsweise 85 Prozent der gesamten Materie im Universum ausmacht und bisher nicht direkt beobachtet werden konnte. Laut vol.at liegt Cloud-9 etwa 14 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt am Rand der Spiralgalaxie Messier 94. Die Wolke ist kompakt und kugelförmig, besteht aus neutralem Wasserstoff und hat einen Durchmesser von ungefähr 4900 Lichtjahren.

Erstaunlich ist, dass Cloud-9 keinerlei Sterne enthält und möglicherweise als „fehlgeschlagene Galaxie“ kategorisiert werden kann, die nicht genug Masse ansammeln konnte, um Sternbildung zu ermöglichen. Ihre sichtbare Masse beläuft sich auf etwa eine Million Sonnenmassen, während geschätzte fünf Milliarden Sonnenmassen an dunkler Materie notwendig sind, um ihre Struktur aufrechtzuerhalten.

Forschung und Beobachtungen

Cloud-9 wurde erstmals vor drei Jahren mit dem chinesischen Radioteleskop FAST entdeckt. Folgebeobachtungen durch das Green-Bank-Teleskop, das Very Large Array und das Hubble-Weltraumteleskop haben bestätigt, dass dieser gasförmige Körper keine Sterne enthält. Wissenschaftler vermuten, dass Cloud-9 unter der kritischen Schwelle von dunkler Materie liegt, die erforderlich ist, um Gas zu verdichten und Stars zu bilden. Solche Wolken könnten potenziell als Beleg für die Existenz von „dunklen Galaxien“ dienen, die sich im Universum gebildet haben, aber keine leuchtenden Sterne hervorgebracht haben.

Die Forschungsarbeiten wurden in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters veröffentlicht. Zukünftige hochauflösende Observierungen könnten helfen, die Natur von Cloud-9 besser zu verstehen und neue Erkenntnisse über dunkle Materie sowie die Frühphase der Galaxienbildung zu gewinnen. Ob Cloud-9 nun dauerhaft sternlos bleibt oder in der Lage ist, entweder Masse anzusammeln und irgendwann Sterne zu bilden oder sogar Masse zu verlieren und zu verschwinden, ist gegenwärtig ungewiss.

Dunkle Materie im Kontext

Die Diskussion um dunkle Materie ist nicht neu. Astronomen und Physiker wie Jan Hendrik Oort und Fritz Zwicky erkannten bereits in den 1930er Jahren erste Hinweise auf ihre Existenz. Vera Rubin zeigte seit den 1960er Jahren, dass die Umlaufgeschwindigkeiten von Sternen in Spiralgalaxien höher sind, als durch die sichtbare Materie erklärt werden kann. Laut Wikipedia macht dunkle Materie etwa fünfmal mehr aus als sichtbare Materie im Universum und ist verantwortlich für die Strukturentwicklung und Galaxienbildung.

Dieses Phänomen wird im Lambda-CDM-Modell detailliert beschrieben: 68,3 Prozent der Materie im Universum sind dunkle Energie, 26,8 Prozent dunkle Materie und nur 4,9 Prozent bestehen aus gewöhnlicher Materie. Die Suche nach dunkler Materie bleibt weiterhin einer der größten Herausforderungen in der modernen Astrophysik, und Experimente wie XENON und COSINUS sind darauf ausgelegt, mögliche dunkle Materie-Kandidaten zu identifizieren, wie etwa WIMPs (schwach wechselwirkende massive Teilchen).

Angesichts der Informationen über Cloud-9 könnte diese Gaswolke möglicherweise bald eine Hauptrolle in der Debatte über die dunkle Materie und ihre Rolle in der Universumsgeschichte spielen. Ihre Entdeckung ist ein bedeutender Schritt in der Astronomie, der die Wissenschaftler dazu anregt, die Gesetze der Gravitation und der Materieverteilung im Universum neu zu überdenken.