Am Freitag, dem 30. Jahrestag des Endes des Bosnien-Kriegs, geriet der serbische Präsident Aleksandar Vučić in die Schlagzeilen. Er musste sich schweren Vorwürfen stellen, die von dem kroatischen Journalisten Domagoj Margetić in Mailand erhoben wurden. Margetić hat eine Anzeige gegen Vučić erstattet und ihm eine Beteiligung an sogenannten „Menschen-Safaris“ vorgeworfen, über die seit Jahren ohne handfeste Belege diskutiert wird. Vučić wies in einer Talk-Show diese Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete sie als „ungeheuerliche Lüge“, während er gleichzeitig auf Hunderte von Zeugen verwies, die seine Unschuld belegen könnten. Die Staatsanwaltschaft hat bisher nicht bestätigt, ob die Anzeige eingegangen ist.

Die „Menschen-Safaris“ beziehen sich auf einen erschreckenden Aspekt des Bosnien-Kriegs, bei dem vermutete wohlhabende Bürger aus dem Westen gegen Geld Jagd auf wehrlose Zivilisten machten. In Italien hat die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung zu diesen Berichten eröffnet. Die Ermittler suchen nach Teilnehmern dieser grausamen Aktivitäten, die während der Belagerung von Sarajevo stattfanden, an der über 11.000 Menschen starben. Der Journalist Ezio Gavazzeni, der die Klage einreichte, behauptet, dass während der Kriegsjahre zwischen 1992 und 1996 wohlhabende Italiener bis zu 100.000 Euro zahlten, um Zivilisten zu erschießen, und dass Kinder die teuersten Ziele waren.

Deutsche Berichte und filmische Aufarbeitung

Die Berichte über die „Menschen-Safaris“ haben in den letzten Wochen in den italienischen Medien für großes Aufsehen gesorgt. Gavazzeni behauptet, dass eine Preisliste existierte und einige Namen mutmaßlicher italienischer Teilnehmer bekannt sind. Die italienischen Behörden haben bereits fünf Männer identifiziert, die angeblich an diesen „Safaris“ beteiligt waren. Zudem gibt es Hinweise, dass auch Bürger anderer Länder an diesen grausamen Praktiken teilnahmen.

Ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2022 mit dem Titel „Sarajevo Safari“ von Miran Zupanič thematisiert diese dunkle Seite des Krieges und die Rolle ausländischer Kämpfer. Während der Belagerung von Sarajevo, die bis 1996 andauerte, wurden viele Zivilisten nicht nur von bosnisch-serbischen Truppen, sondern möglicherweise auch von internationalen Teilnehmern dieser Jagden getötet. Überlebende äußern, dass sie von den aktuellen Berichten nicht überrascht sind und betonen, dass es immer Informationen über ausländische Schützen gab.

Stimmen der Überlebenden

Halida Uzunović, eine Überlebende des Bosnien-Kriegs und ehemalige Präsidentin der Vereinigung der Kriegsopfer von Foča 92-95, setzt sich leidenschaftlich für die Aufklärung über die Gräueltaten während des Krieges ein. Sie hat ihre eigene Geschichte in einem Buch festgehalten und kämpft dafür, dass die Wahrheit über die Verbrechen ans Licht kommt. Uzunović, deren Familie während des Krieges getötet wurde, kritisiert die politische Führung in Serbien und fordert mehr Unterstützung für Überlebende, einschließlich psychologischer Hilfe und rechtlicher Anerkennung. Sie ist überzeugt, dass die Erinnerungskultur in Schulen und Universitäten gefördert werden muss, um das Stigma und die Scham zu überwinden.

Die internationale Gemeinschaft wird aufgefordert, die Wahrheit über die Verbrechen anzuerkennen und den Opfern zu helfen. Während sich die politischen Spannungen in der Region fortsetzen, sieht Uzunović die Notwendigkeit für Veränderungen, die durch jüngere, engagierte Menschen vorangetrieben werden müssen.