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Skandal um ATV: Klägerin erhebt Vorwürfe wegen sexueller Belästigung!

In einer jüngst eingereichten Klage gegen den Fernsehsender ATV behauptet eine Frau, dass sie während der Aufzeichnung der Reality-Show "Ausnahmezustand in Lignano - Tutto Gas!" im Juni 2022 "massiv sexuell belästigt" wurde. Sie schildert, dass sie in der Öffentlichkeit und unter den hellen Scheinwerfern der Kamera schockiert war und nicht wusste, wie sie reagieren sollte. Laut ihrer Aussage griff das Kamerateam der Sendung nicht ein, und sie war sich nicht bewusst, dass sie gefilmt wurde. Wochen später sah sie den Vorfall im Fernsehen und wurde daraufhin von Freunden sowie ihrer Chefin angesprochen. Die Klägerin hatte der Veröffentlichung des Vorfalls nie zugestimmt und fordert nun einen Schadenersatz in Höhe von 35.000 Euro, darunter 25.000 Euro für ein Unterlassungsbegehren und 10.000 Euro für Schadenersatz. ATV hat die Klage bestätigt und erklärt, dass die Klägerin in den verfügbaren Versionen unkenntlich gemacht wurde, mit einer produktionsbedingten Ausnahme. Sie sei die Veröffentlichung seit fast drei Jahren nicht angegangen.

Mit der Klage sieht sich ATV nicht nur wegen dieser konkreten Vorfälle einer breiten Kritik ausgesetzt, sondern auch für seine Sendungen im Allgemeinen. Kritiker wie der Chefredakteur von "Falter", Florian Klenk, haben die Programme als "frauenverachtenden Müll" und als Verharmlosung von Rape-Culture bezeichnet. Zudem äußerten sich Frauensprecherinnen mehrerer Parteien sowie Medienminister Andreas Babler kritisch zu den Inhalten von ATV. In Reaktion darauf kündigte der Sender an, die Ausstrahlung weiterer Folgen der betreffenden Sendungen auszusetzen und alle Episoden der 11. Staffel offline zu nehmen. ATV-Chef Thomas Gruber betonte, dass zukünftig klarere Grenzen für vertretbare Inhalte gesetzt werden müssen.

Problematischer Inhalt in Reality-TV

Die Vorfälle rund um die ATV-Sendung reihen sich ein in eine besorgniserregende Diskussion über die Darstellung von Frauen in Reality-TV. Berichte über abwertende und sexualisierte Darstellungen sind nicht neu; die Petition "Stoppt Unterhaltungssexismus und sexualisierte Gewalt im Reality-TV" hat die Problematik ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Dabei wird auf zahlreiche Beispiele verwiesen, die eine Kultur der sexualisierten Gewalt fördern, wie etwa in den Shows "Ex on the Beach" und "Deutschland sucht den Superstar".

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In einer aktuellen Studie der MaLisa Stiftung und UFA GmbH zeigt sich, dass das Fernsehen eine erhebliche Verantwortung in der Darstellung von geschlechtsspezifischer Gewalt trägt. Statistiken belegen, dass jede dritte Frau in Deutschland körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt hat. Diese Medieninhalte können gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken und die Normalisierung von Gewalt gegen Frauen begünstigen. Der Konsum solcher Sendungen hat negative Auswirkungen auf die Wahrnehmung junger Zuschauer, was wiederum die Dringlichkeit von Veränderungen in der Programmgestaltung unterstreicht.

Aufruf zu Veränderungen

Die Studie zu geschlechtsspezifischer Gewalt im deutschen Fernsehen analysierte Programme verschiedener TV-Sender und stellte fest, dass Gewalt gegen Frauen häufig in Form von expliziter und schwerer Gewalt dargestellt wird. In nur 8 % der Fälle haben Betroffene die Möglichkeit, ausführlich zu Wort zu kommen. Es fehlen oft Vorabwarnungen und Hinweise, die auf Beratungsangebote hinweisen. Experten plädieren dafür, dass Fachwissen und Bewusstsein über die Auswirkungen medialer Darstellungen in den Entwicklungsprozess von Programminhalten integriert werden.

Die Initiative "act & protect®" zielt darauf ab, über sexualisierte Gewalt in den Medien aufzuklären und fordert unter anderem ein Verbot der Darstellung sexualisierter Gewalt in Reality-TV sowie die Einrichtung von transparenten Bewertungssystemen. Strenge Sanktionen für Verstöße gegen Richtlinien und Schutzmechanismen für die Teilnehmer*innen stehen ebenfalls im Forderungskatalog.

Insgesamt zeigt die Auseinandersetzung mit der Klage gegen ATV und der allgemeinen Kritik an Reality-TV-Formaten einen drängenden Bedarf an Veränderungen innerhalb der Branche, um ein respektvolles und nicht diskriminierendes Medienumfeld zu schaffen und die Themen geschlechtsspezifische Gewalt und Sexismus angemessen zu behandeln.

Ort des Geschehens


Details zur Meldung
Was ist passiert?
Sexualdelikte
Genauer Ort bekannt?
Lignano, Italien
Sachschaden
35000 € Schaden
Beste Referenz
kleinezeitung.at
Weitere Quellen
change.org

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