Frankreich plant eine wegweisende Gesetzesinitiative zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum. Gemäß krone.at hat die Nationalversammlung einen Gesetzentwurf mit 116 zu 23 Stimmen billigt, der den Zugang zu sozialen Medien für unter 15-Jährige verbieten soll. Präsident Emmanuel Macron möchte das Verbot bereits im September, zum Beginn des neuen Schuljahres, umsetzen. Vor der Abstimmung äußerte er Besorgnis über Online-Mobbing und die psychische Gesundheit junger Menschen, indem er betonte, dass die Emotionen von Kindern und Jugendlichen nicht manipuliert werden sollten.

Das geplante Gesetz sieht zudem vor, dass soziale Medien Altersüberprüfungsmechanismen einführen müssen, die den EU-Vorgaben entsprechen. Bereits bestehende Regelungen, die Smartphones in Grund- und Mittelschulen verbieten, sollen auf Gymnasien ausgeweitet werden. Online-Enzyklopädien wie Wikipedia und pädagogische Inhalte bleiben von dem Verbot ausgenommen. Frankreich folgt hierbei dem Beispiel Australiens, das im Dezember ein Verbot für unter 16-Jährige auf Plattformen wie Facebook, Snapchat und TikTok eingeführt hat.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Die Durchsetzung solcher Verbote könnte sich als schwierig gestalten, zumal Australien bereits Schwierigkeiten bei der Implementierung seines Verbots eingeräumt hat. Während taz.de herausstellt, dass das EU-Parlament Ende November eine Resolution für ein Mindestalter zur Nutzung sozialer Medien beschlossen hat, warnen Experten vor den möglichen negativen Auswirkungen auf die Kommunikationsfreiheit. Der Juraprofessor Matthias Kettemann kritisiert die Verbote und verweist auf den Digital Services Act (DSA), der Jugendschutzmaßnahmen für Plattformen festlegt.

Isabel Brandhorst, Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen, merkt an, dass die wissenschaftlichen Beweise für ein festes Mindestalter fehlen. Es gibt allerdings Korrelationen zwischen übermäßiger Nutzung von sozialen Medien und negativen Auswirkungen wie schlechtem Körperbild und Schlafproblemen. Laut der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sollten unter 13-Jährige keine Plattformen nutzen, während Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren dafür das Einverständnis der Eltern benötigen sollten.

Psychische Gesundheit und digitale Herausforderungen

Die WHO berichtet über das Problem von sozialen Medien und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen. Laut WHO zeigen 11 % der Jugendlichen Anzeichen eines problematischen Verhaltens gegenüber sozialen Medien, wobei höhere Raten bei Mädchen (13 %) im Vergleich zu Jungen (9 %) festgestellt wurden. Dr. Hans Henri P. Kluge von der WHO betont die Notwendigkeit von Medienkompetenz und geeigneten Schutzmaßnahmen für Jugendliche.

Die problematische Nutzung sozialer Medien führt häufig zu weniger Wohlbefinden, Schlafproblemen und erhöhtem Substanzkonsum, während gleichzeitig 36 % der Jugendlichen ständig online mit Freunden in Kontakt stehen. Positive Aspekte wie Unterstützung durch Gleichaltrige werden ebenfalls erwähnt, jedoch sind Interventionen erforderlich, um Jugendliche zu befähigen, informierte Entscheidungen über ihre Online-Aktivitäten zu treffen.

Die anhaltende Diskussion über Altersbeschränkungen und deren Umsetzung wird weiterhin von Experten begleitet. Die Notwendigkeit eines offenen Dialogs über digitales Wohlbefinden in Familien und Schulen wird als zentral angesehen, um die Herausforderungen der digitalen Welt effektiv zu bewältigen.