Leïla Slimani hat die zweite Hälfte des Afrika-Cups zwischen Marokko und Senegal im Hotel während einer Lesung in München verfolgt. Fußball spielt eine zentrale Rolle in ihrem neuen Roman, in dem sie persönliche und gesellschaftliche Themen behandelt. Slimanis Vater, der vor 50 Jahren Präsident des marokkanischen Fußballverbandes war, führte Marokko zu einem historischen Afrika-Cup-Sieg. Für viele Menschen aus der Dritten Welt ist Fußball mehr als nur ein Spiel; er symbolisiert Migration und Identität.

Marokko wird 2030 gemeinsam mit Spanien und Portugal die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Diese Großveranstaltung hat jedoch auch zu Protesten der Jugend geführt, die mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit fordern. Trotz der wirtschaftlichen Fortschritte bleibt die Jugendarbeitslosigkeit in Marokko hoch, was eine große Herausforderung für die junge Bevölkerung darstellt. Viele Jugendliche finden keine Arbeitsplätze, die ihren Qualifikationen entsprechen, und sind häufig im informellen Sektor beschäftigt oder arbeitslos. Besonders betroffen sind Frauen und Hochschulabsolventen, wodurch soziale Spannungen entstehen können.

Herausforderungen der Jugend

Am Tag der Jugend würdigt König Mohammed VI. die marokkanische Jugend, was gleichzeitig sein Engagement für deren Förderung widerspiegelt. Diese sogenannte „treibende Kraft der Nation“ sieht sich jedoch mit ernsten Problemen konfrontiert. Trotz staatlicher Förderprogramme in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Beschäftigung bleibt die Jugendarbeitslosigkeit weiterhin persistente Herausforderung. Die Regierung steht unter Druck, nachhaltige Arbeitsmarktstrategien zu entwickeln, um den Bedürfnissen dieser jungen Generation gerecht zu werden.

Migration wird von vielen Jugendlichen als eine Möglichkeit gesehen, ihre soziale Teilhabe und beruflichen Aufstiegschancen zu verbessern. Im Jahr 2021 unternahmen tausende junge Menschen den gefährlichen Versuch, die spanische Exklave Ceuta zu erreichen. Diese kulturellen Spannungsfelder zwischen Tradition und Modernisierung prägen die Situation der Jugendlichen in Marokko, die mehr kulturelle Freiräume und politische Mitsprache fordern.

Fußball und Identität

Fußball hat auch in anderen Ländern, wie Deutschland, eine lange Geschichte der Integration und Identität. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wurde 1900 gegründet und vereinte verschiedene gesellschaftliche Strömungen. Deutschland hat sich vom Auswanderungs- zu einem Einwanderungsland gewandelt, was sich auch im Fußball widerspiegelt. Fußballvereine boten Migranten, insbesondere polnischen und masurischen Wurzeln, eine Möglichkeit zur Integration.

Die Integrationsgeschichte im deutschen Fußball ist vielschichtig. Spieler mit Migrationsbiographie sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft. Bei der WM 2010 waren fast die Hälfte der Spieler Migranten. Mesut Özil wurde zu einem Symbol für gelungene Integration, während die Debatten rund um seine Person nach der WM 2018 veranschaulichen, wie komplex Rassismus und Identität im Sport sein können. Der DFB hat seit der Flüchtlingskrise 2015 gezielte Maßnahmen zur Förderung von geflüchteten Menschen ergriffen.

Leïla Slimani, die derzeit in Lissabon lebt, hat keine Pläne, nach Frankreich zurückzukehren. Sie betont, wie wichtig es ist, die individuellen Geschichten von Migranten zu verstehen. Trotz der Herausforderungen ist sie optimistisch, dass positive Veränderungen möglich sind. Sie plant, an neuen Projekten zu arbeiten, und schließt nicht aus, dass sie irgendwann ihre Familiengeschichte weiter erzählen wird.