Dutzende von Gläubigen hielten am Sonntag in einem Tokyoer Schrein den Atem an und wagten den Sprung in eisiges Wasser, um eine Neujahrstradition aufrechtzuerhalten, die darauf abzielt, die Seele zu reinigen und für gute Gesundheit zu beten.
Kanchu Misogi – Eine traditionelle Reinigung
Die kalte Herausforderungsprobe, bekannt als „Kanchu Misogi“, zog rund 100 Teilnehmer an, hauptsächlich Männer in weißen Lendenschurzen und mehrere Frauen in weißen Gewändern, die sich zum Teppuzu Inari Schrein begaben.
Trommel- und Flötenmusik verbreitete eine feierliche Stimmung im Hof des Schreins, wo ein knietiefer Pool mit Eisstücken auf die Teilnehmer wartete.
Die Zeremonie der Reinigung
Mit gefalteten Händen vor der Brust sangen die Gläubigen „Haraedo-no-Okami“, als Bezugnahme auf die Göttin der Reinigung, während sie um Erlösung von ihren Sünden baten.
Danach joggten sie um den Schrein und machten Aufwärmübungen, bevor sie in das kalte Wasser eintauchten.
Einmal im Pool, schöpften die Teilnehmer Wasser mit einem Holzeimer über sich, riefen „ai“, um ihren Mut zu sammeln, während andere sie anfeuerten.
Dies ist das 71. Jahr, in dem das Ritual an diesem Schrein gefeiert wird.
Die Bedeutung der Reinigung im Shintoismus
Reinigung ist ein zentraler Aspekt des alten Shinto-Glaubens in Japan, der dazu dient, böse Geister abzuwehren.
Diese indigene Religion hat Jahrhunderte überdauert und basiert auf dem Glauben, dass heilige Geister in der Natur und in allen Lebewesen wohnen.
Der Kaiser von Japan
Japan ist eine konstitutionelle Monarchie, die von dem 65-jährigen Kaiser Naruhito geleitet wird.
Der Kaiser wird als die höchste Autorität im Shinto angesehen, obwohl seine politischen Befugnisse begrenzt sind.
Ursprünglich als Reinigungsritus für die lokale Gottheit gedacht, ermöglicht der Schrein mittlerweile die öffentliche Teilnahme durch eine Anmeldung.
Die Anmeldungen schlossen in diesem Jahr aufgrund des überwältigenden Interesses frühzeitig, berichteten die Organisatoren.
Shinto-Neujahr
Das Shinto-Neujahr, bekannt als Shōgatsu, wird am 1. Jänner gemäß dem Gregorianischen Kalender gefeiert, nicht nach dem Mondkalender.
Diese spirituelle Feier vereint alte Shinto-Rituale mit der breiteren japanischen Kultur und erstreckt sich bis zum 3. Jänner.
Zu den weiteren Traditionen gehört „Hatsumode“, der erste Besuch des Jahres eines Shinto-Schreins oder buddhistischen Tempels, um für Glück und Gesundheit zu beten.