
In Italien erschüttern zwei grausame Femizide die Gesellschaft und führen zu massiven Protesten. Am 4. April 2025 wurde die Leiche einer 22-jährigen Statistikstudentin in Poli, 40 km von Rom, entdeckt. Die Studentin war seit mehreren Tagen vermisst, als die Ermittler die Leiche in einem abgesetzten Abgrund fanden. Ein 23-jähriger Architekturstudent, der Freund des Opfers, wurde in dieser Verbindung festgenommen. Er gestand, die Tat begangen zu haben und gab an, dass der Mord in der Wohnung seiner Eltern in Rom stattgefunden habe. Berichten von kleinezeitung.at zufolge, soll der Täter mehrfach mit einem Messer auf die Studentin eingestochen haben, bevor er ihre Leiche in eine große Reisetasche steckte und entsorgte.
Der entsetzliche Vorfall wirft düstere Schatten auf das Thema Gewalt gegen Frauen in Italien. Nach den Morden an den beiden Studentinnen haben Aktivistinnen und Aktivisten für einen grundlegenden Wandel des Systems protestiert. “Es handelt sich nicht um Einzelfälle”, betonen sie, während eine Gedenkfeier für die beiden Opfer an der Universität La Sapienza von Rektorin Antonella Polimeni organisiert wurde.
Ein weiteres schreckliches Verbrechen
Der Mord an der Statistikstudentin ist nicht der einzige Vorfall. In einem separaten Fall wurde ein junger Mann auf Sizilien festgenommen, weil er verdächtigt wird, eine weitere 22-jährige Studienkollegin in Messina erstochen zu haben. Die Ermittler geben an, der Täter habe unerwiderte Gefühle für das Opfer gehegt und sie seit über zwei Jahren bedrängt.
Im Jahr 2025 wurden in Italien bislang 17 Femizide verzeichnet. Dies stellt einen Rückgang von 35% im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2024 dar, in denen 26 Morde stattfanden. Insgesamt sank die Anzahl der Morde in Italien von 80 auf 57, was einem Rückgang von 29% entspricht. Trotz dieser positiven Entwicklung zeigt sich, dass die Gesellschaft in Bezug auf Femizide noch lange nicht am Ziel ist.
Kulturelle und gesetzliche Veränderungen notwendig
Die Reaktionen auf die jüngsten Morde verdeutlichen den wachsenden Druck auf die Regierung, effektivere Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen zu ergreifen. Es gibt bereits Kampagnen zur Prävention von Femiziden, die seit Jahren laufen. Der Mord an Giulia Cecchettin im November 2023 hat die Thematik noch stärker in den Fokus gerückt. Giulia wurde von ihrem Freund erstochen, nachdem sie sich von ihm trennen wollte, ein Fall, der zu landesweiten Protesten führte, an denen eine halbe Million Menschen in Rom teilnahmen.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat einen Gesetzentwurf angekündigt, der Femizide als eigenständiges Verbrechen in das Strafgesetzbuch aufnehmen soll. Geplant ist, dass solche Verbrechen mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe ohne Nachweis von erschwerenden Tatumständen geahndet werden. Dennoch äußern Opferorganisationen Kritik, da sie die Notwendigkeit betonen, neben strafenden Maßnahmen auch präventive Ansätze zu entwickeln. Gino Cecchettin, der Vater von Giulia, hebt hervor, dass neben gesetzlichen Änderungen auch ein kultureller Wandel erforderlich ist, um das Problem dauerhaft zu lösen.
Im Park der Villa Sciarra in Rom steht symbolisch eine knallrote Parkbank, um die Opfer von Femiziden zu gedenken. Diese Installation, die bereits 2009 in Mexiko ins Leben gerufen wurde, hat in Italien eine große Aufmerksamkeit erregt und bildet Teil der laufenden Diskussion über Gewalt gegen Frauen. In Italien wird die Tötungsrate von Frauen aufgrund von Gewalt zwar als niedriger bewertet im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern, jedoch sind die Zahlen dennoch erschreckend und erfordern dringend handfeste Maßnahmen.
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