Am 3. Oktober 2025 ist der renommierte Politikwissenschaftler Anton Pelinka verstorben. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig äußerte in einer offiziellen Mitteilung sein tiefes Bedauern über den Verlust Pelinkas und betonte seine bedeutende Rolle in der Politikwissenschaft. Pelinka galt als der Kopf und die Seele der Politologie in Österreich.

Pelinka wurde am 14. Oktober 1941 in Wien geboren und zeigte bereits früh ein starkes Interesse an politischen Fragen. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien und seiner Doktorarbeit in Politikwissenschaft am Institut für Höhere Studien entwickelte er sich zu einem der einflussreichsten Stimmen in der Analyse des österreichischen politischen Systems. Während seiner akademischen Laufbahn war er Professor an der Universität Innsbruck und später an der Central European University in Budapest tätig.

Einflussreiche Arbeiten und Engagement

Der Verstorbene war bekannt für seine kritische und analytische Herangehensweise, die sich in zahlreichen Publikationen widerspiegelte. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen „Fünf Fragen an drei Generationen“, das den aktuellen Antisemitismus thematisiert, sowie Analysen über den Aufstieg der FPÖ und das Phänomen Jörg Haider. Pelinka warnte stets vor autoritären und rechtsextremen Tendenzen in der österreichischen Politik und setzte sich für eine offene Gesellschaft ein.

Er war auch Mitbegründer des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien und beeinflusste Generationen von Studierenden in Politik und Zeitgeschichte. Darüber hinaus war er lange Zeit als Kommentator für die großen Medien in Österreich tätig und diente in der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, wo er Österreich vertrat und wichtige Impulse für eine gesellschaftliche Debatte setzte.

Ein bleibendes Vermächtnis

Insgesamt verfasste Pelinka 92 wissenschaftliche Artikel und veröffentlichte mehrere Bücher zu Themen wie Demokratie in Indien und die österreichische historische Identität. Sein Werk fand große Beachtung und wurde in über 300 Bibliotheken weltweit katalogisiert. Seine Beiträge zur Politikwissenschaft wurden unter anderem mit dem Bruno-Kreisky-Preis für sein publizistisches Gesamtwerk gewürdigt. Ludwig hob hervor, dass Pelinkas Tod eine große Lücke in der Polit- und Geschichtswissenschaft sowie in der gesellschaftspolitischen Publizistik hinterlässt und sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus.

Die Österreichische Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW), gegründet 1970, hat ebenfalls eine zentrale Rolle bei der Förderung des wissenschaftlichen Austauschs in Österreich gespielt. Mit rund 500 Mitgliedern unterstützt die Gesellschaft Studierende sowie Absolvent:innen und Hochschullehrer:innen in der politischen Forschung. Pelinkas Beitrag zu dieser Gemeinschaft wird für die zukünftige Generation von Politikwissenschaftlern von großer Bedeutung sein, da er stets die Wichtigkeit der Vernetzung und des Austauschs innerhalb der Disziplin betonte.

Pelinkas Leben und Werk werden als Inspiration für kommende politische Wissenschaftler dienen und seine kritische Auffassung zum Thema Demokratie und Gesellschaft wird in Erinnerung bleiben.