
Am 24. März 2025 begann der mit Spannung erwartete Missbrauchsprozess gegen den französischen Schauspieler Gérard Depardieu in Paris. Der 76-jährige Künstler steht wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe auf zwei Frauen, die während der Dreharbeiten im Jahr 2021 stattfanden, vor Gericht. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich zudem zahlreiche Frauenrechtlerinnen, die mit Spruchbändern auf die Unterstützung der Opfer aufmerksam machten.
Die Vorwürfe gegen Depardieu sind gravierend. So beschuldigt eine über 50-jährige Dekorateurin den Schauspieler, sie während der Produktion von "Les volets verts" sexuell belästigt zu haben. Eine Regieassistentin wirft ihm vor, sie am Filmset unsittlich berührt und ihr auf der Straße nachgestellt zu haben. Beide Frauen haben ihre Anzeigen im Jahr 2024 erstattet, die Dekorateurin im Februar und die Regieassistentin im März. Bei einem möglichen Schuldspruch drohen dem Schauspieler bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug sowie eine Geldstrafe von bis zu 75.000 Euro. Depardieu selbst bestreitet die Vorwürfe vehement und bezeichnet die Anschuldigungen als "gelogen."
Verfahrensdetails und Gesundheitszustand
Der Prozess war ursprünglich für Oktober 2024 angesetzt, musste jedoch aufgrund von Depardieus Gesundheitszustand verschoben werden. Laut einem medizinischen Gutachten kann der Schauspieler nur sechs Stunden pro Tag an der Verhandlung teilnehmen, wobei er regelmäßige 15-minütige Pausen benötigt. Anwalt Jérémie Assous beantragte zudem die Annullierung des Verfahrens wegen vermeintlicher Formfehler. Umgangssprachlich erklärte er, sein Mandant sei ein Opfer einer "medialen Lynchjustiz."
Im Gerichtssaal wird auch die Schauspielerin Fanny Ardant als Zeugin erwartet, die Depardieu unterstützen könnte. Zusätzlich sind Frauen wie die Lichttechnikerin geladen. Unter den Zuschauerinnen befand sich auch Charlotte Arnould, die Depardieu bereits 2018 wegen Vergewaltigung angezeigt hatte; in ihrem Fall steht jedoch noch eine Entscheidung über einen Prozess aus.
Ein strukturelles Problem im Filmgeschäft
Die Situation rund um den Prozess wirft ein Licht auf ein umfangreiches Problem im Filmgeschäft, insbesondere in der deutschen Filmbranche. Eine umfassende Umfrage im Rahmen des Bündnisses Vielfalt im Film zeigte, dass über 51% der befragten Filmschaffenden innerhalb der letzten zwei Jahre Diskriminierung erlebt haben, wobei 81% der Cis-Frauen sexuelle Belästigung im Arbeitskontext angaben. Dieses besorgniserregende Ergebnis verdeutlicht die Notwendigkeit für verbindliche Strukturen zur Sensibilisierung, Schutz und Interventionen im Umgang mit Diskriminierung und Belästigung in der Branche.
Die Anklage gegen Gérard Depardieu ist somit nicht nur ein einzelner Fall, sondern steht symbolisch für tiefere, strukturelle Probleme innerhalb des Filmsystems. Die Hoffnung der Aktivistinnen und der Opfer ist, dass dieser Prozess dazu beiträgt, das Bewusstsein für sexuelle Übergriffe und Diskriminierung in der Filmindustrie zu schärfen und endlich Maßnahmen zur Verbesserung herbeizuführen.
Der Prozessverlauf wird mit Spannung verfolgt und bleibt ein wichtiges Thema sowohl medial als auch gesellschaftlich, während alle Augen auf die Reaktionen der Branche gerichtet sind.
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