Die russische Regierung hat die Funktionen internationaler Messenger-Apps wie WhatsApp erneut eingeschränkt. Nutzer können Anrufe über WhatsApp nur noch mithilfe von VPN-Verbindungen tätigen. Diese Maßnahmen betreffen auch die beliebten Dienste Telegram und iMessage, was die Kommunikationsmöglichkeiten für viele Russen erheblich einschränkt. WhatsApp bietet eigentlich eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die Nutzer schützen soll, doch die aktuellen Entwicklungen führen zu einem massiven Kontrollverlust über private digitale Interaktionen. Laut Kleine Zeitung sind die Einschränkungen Teil einer übergreifenden Zensur, die seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine intensiviert wurde.
Angesichts dieser Situation erblickte der inländische Messenger Max das Licht der Welt, der als staatliche Alternative zu WhatsApp und Telegram eingeführt wurde. Diese Maßnahme steht im Kontext der fortlaufenden Störungen der internationalen Dienste, die von den Behörden offiziell mit der Notwendigkeit begründet werden, gegen „Betrüger und Terroristen“ vorzugehen. Max wird auf allen in Russland verkauften Geräten vorinstalliert und soll als „Super-App“ beworben werden, die Chat-, Zahlungs- und Behördendienste in einer Anwendung vereint, berichtet Merkur.
Der Druck auf die Nutzer steigt
Seit seiner Einführung am 1. September 2025 hat Max bereits über 18 Millionen registrierte Konten verzeichnen können, was die Vorliebe vieler Russen für den staatlich kontrollierten Dienst unterstreicht. Kritiker warnen jedoch, dass Max ein Werkzeug für umfassende staatliche Überwachung darstellt, da die App persönliche Daten in Echtzeit sammelt, darunter IP-Adressen und Geodaten. Diese Bedenken werden unterstrichen durch Berichte, dass bereits Anweisungen erteilt wurden, Chats auf Max umzustellen, und öffentliche Einrichtungen dazu gezwungen werden, die App zu nutzen.
Die russische Telekom-Aufsichtsbehörde Roskomnadsor hat zudem angekündigt, die Beschränkungen für Messenger-Dienste wie Telegram weiter zu verschärfen. Für diese Maßnahmen werden angebliche Verstöße gegen den Datenschutz und unzureichende Schutzmechanismen gegen Betrug angeführt. Die zugrunde liegende Motivation könnte auch in der wachsenden Kontrolle über die Meinungsfreiheit und digitale Kommunikation durch die Behörden liegen. Nutzer berichten von Schwierigkeiten beim Laden von Telegram, da die Geschwindigkeit des Dienstes absichtlich gedrosselt wird, was die Nutzung weiter erschwert, wie Watson analysiert.
Ein neues Zeitalter der Überwachung
Die regulatorischen Maßnahmen sind nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs spürbar intensiver geworden. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Verfahren gegen Telegram initiiert, nachdem der Dienst nicht auf Aufforderungen der Behörden reagiert hatte, Inhalte zu entfernen. Telegram-Gründer Pawel Durow lebt seit 2014 im Exil und verweigert die Herausgabe persönlicher Daten an den russischen Geheimdienst, was zu anhaltenden Spannungen führt. Die Zensur und Kontrolle über das Internet in Russland wird zunehmend als Teil eines umfassenderen Plans zur Schaffung eines digitalen Überwachungsstaates diskutiert.
Diese Entwicklungen lassen befürchten, dass sich Russland in eine Richtung bewegt, die der digitalen Kontrolle in China ähnelt, wo auch persönliche Informationen in hohem Maße überwacht werden. Die Einführung von Max sowie die fortschreitenden Einschränkungen für internationale Messenger sind nur einige der Schritte, die in dieser alarmierenden Geschichte stehen.