
Wladimir Putin zeigt sich zunehmend unzufrieden mit der aktuellen Lage in der Ukraine. Der Ukraine-Krieg, der seit über drei Jahren andauert, führte zur Annexion der Oblaste Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja durch Russland. Diese Handlungen wurden weltweit als völkerrechtswidrig eingestuft. Nach Einschätzungen von Experten sind weitere Annexionen Putins in Nachbarländern nicht auszuschließen. Laut David Grigorian, einem Senior Fellow an Harvard’s Kennedy School, droht ein Szenario, das an die Sowjetunion erinnert, auch als "UdSSR 2.0" bekannt. Er warnt, dass Putin möglicherweise zunächst ehemalige sowjetische Teilrepubliken ins Visier nehmen könnte, bevor er NATO- oder EU-Länder angreift.
Das erste mögliche Ziel, das Grigorian nennt, ist Belarus. Dort arbeitet Diktator Alexander Lukaschenko eng mit Putin zusammen. Ein Zusammenschluss zwischen Belarus und Russland erscheint in den kommenden Jahren denkbar. Als weiteres Ziel nennt Grigorian Georgien sowie Aserbaidschan, wo er glaubt, dass Putin Minderheiten für mögliche Umstürze nutzen könnte. Die zentralasiatischen Staaten wie Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan haben ihm zufolge kaum Chancen, sich dem Einfluss des Kremls zu widersetzen.
Die NATO und wachsende Risiken
Laut Grigorian könnten auch EU-Länder, insbesondere die baltischen Staaten, mittelfristig von Russland bedroht werden. Ein Übergriff auf die estnische Stadt Narwa könnte die NATO herausfordern und zu einer ernsthaften Krise führen. Grigorian appelliert an den Westen, die Ukraine weiterhin massiv zu unterstützen, um den Expansionsplänen Moskaus entgegenzuwirken. Er betont die Notwendigkeit, prowestliche Oppositionsbewegungen zu unterstützen sowie Sanktionen gegen Russland zu verschärfen.
Der Ukraine-Konflikt hat die Beziehungen zwischen der EU und Russland stark belastet. Bis zur Annexion der Krim 2014 war die EU um eine strategische Partnerschaft mit Russland bemüht. Die Entwicklungen haben jedoch eine deutliche Verschlechterung der Beziehungen nach sich gezogen. Die EU stufen Russlands Einmarsch in die Ukraine als Angriffe auf die territoriale Integrität des Landes sowie auf die grundlegenden Werte der EU, wie Freiheit und Demokratie, ein. Der Strategische Kompass für Sicherheit und Verteidigung der EU, verabschiedet im März 2022, bezeichnet Russland als langfristige Bedrohung für die europäische Sicherheit und reagiert damit auf die aggressiven Maßnahmen des Kremls.
Putins expansive Strategie könnte nicht nur die geopolitische Lage in der Region destabilisieren, sondern auch weitreichende Folgen für Europa haben. Der drohende Einfluss durch prorussische Regierungen in Nachbarländern könnte zu weiteren Konflikten führen. Die internationale Gemeinschaft ist erneut gefordert, um ein weiteres Aufeinandertreffen mit den zunehmenden territorialen Ambitionen Russlands zu verhindern.
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