Die Pläne von US-Präsident Donald Trump, Grönland möglicherweise militärisch zu annektieren, sorgen nicht nur international für Besorgnis, sondern stoßen auch innerhalb der eigenen Partei auf Widerstand. Mehrere republikanische Kongressabgeordnete äußern sich kritisch zu den Überlegungen, die sich als schädlich für die NATO-Verbündeten darstellen könnten. Senator John Curtis betont die Bedeutung der Partnerschaft mit Dänemark und Grönland, lehnt jedoch einen Militäreinsatz ab und bezeichnet die Diskussion um eine mögliche Invasion als „raketenmäßig dumm“, wie Senator John Kennedy formuliert, der allerdings Trump und Außenminister Rubio nicht als dumm ansieht. Kennedy schlägt stattdessen ein Referendum in Grönland über einen Beitritt zu den USA vor.

Abgeordneter Don Bacon kritisiert die Bestrebungen der Trump-Regierung und spricht sich gegen eine Invasion aus. Er bezeichnet die Idee, Grönland einzuverleiben, als eine der „dümmsten“ Äußerungen aus dem Weißen Haus. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnt ausdrücklich vor den Folgen eines US-Angriffs auf Grönland für die NATO. Sowohl Dänemark als auch die Regierung Grönlands haben den von Trump angemeldeten Besitzanspruch zurückgewiesen. In einer gemeinsamen Erklärung verteidigten Führer aus mehreren europäischen Staaten, darunter Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die Souveränität Grönlands.

Die NATO unter Druck

Trumps aggressive Rhetorik stellt nicht nur die Beziehungen zu Dänemark auf die Probe, sondern könnte auch die Stabilität der NATO gefährden. Die Allianz, die 1949 gegründet wurde, um sowjetischen Bedrohungen zu begegnen, sieht sich durch solche Drohungen von Seiten der USA in ihrer Kohäsion herausgefordert. Artikel 5 des NATO-Vertrages, der die kollektive Verteidigung sichert, könnte ins Wanken geraten, sollte ein Mitgliedstaat, wie die USA, gegen einen anderen Mitgliedstaat, in diesem Fall Dänemark, vorgehen. Experten warnen, dass dies die Einheit der Allianz gefährden könnte, insbesondere in Anbetracht der bereits bestehenden Spannungen zwischen NATO-Mitgliedstaaten wie Griechenland und der Türkei.

Die Vereinigten Staaten haben Grönland von jeher als strategisch bedeutsam erachtet. Trump selbst hat wiederholt betont, dass die USA Grönland für ihre nationale Sicherheit „brauchen“ und hierfür von einem Kauf gesprochen. Laut Michael Paul, einem Experten für Arktisfragen, wird dieser Anspruch jedoch als Vorwand für geopolitische Ambitionen angesehen. Mit dem Schmelzen des arktischen Eises aufgrund der Erderwärmung rücken auch neue Handelswege in den Fokus, was das militärische Interesse zusätzlich anheizt.

Geopolitische Spannungen in der Arktis

Der Wettlauf um Einflusssphären in der Arktis nimmt zu, wobei Russland und China zunehmend aktiv werden. Russland verfolgt seit der Zarenzeit einen aggressiven Kurs im Arktischen Ozean, während China eisbrechende Schiffe baut und die Region als Teil der polaren Seidenstraße betrachtet. Die ambitionsgeladene Strategie könnte in der Arktis die Sicherheitsarchitektur der NATO auf eine harte Probe stellen. Experten betonen, dass eine Annexion Grönlands nicht nur militärische Implikationen hätte, sondern auch soziale Verantwortung für die dortige Bevölkerung mit sich bringen würde.

Insgesamt zeigen die Debatten um Grönland, wie angespannt die geopolitische Situation ist und wie sehr die Sicherheitspolitik der USA die NATO und deren Zukunft bedrohen kann. Führende NATO-Vertreter haben bereits ihre Besorgnis über die wahrscheinlichen Konsequenzen einer derartigen Annexion geäußert, wobei auch darauf hingewiesen wird, dass solche Entwicklungen die Unterstützung für Ukraine und den Fokus auf andere externe Bedrohungen gefährden könnten.