Meta, das Mutterunternehmen von Facebook, Instagram und WhatsApp, zieht in Erwägung, neue Kamera-Brillen mit einer Gesichtserkennungsfunktion auf den Markt zu bringen. Diese Ankündigung wurde in einer aktuellen Stellungnahme des Unternehmens veröffentlicht, wobei ein vorsichtiger Ansatz bei der Einführung in Aussicht gestellt wurde. Berichten der New York Times zufolge könnte die Gesichtserkennung möglicherweise noch in diesem Jahr eingeführt werden.
Die neuen Brillen werden unter den bekannten Marken Ray-Ban und Oakley verkauft und sind bereits mit einer Kamera, einem Mikrofon sowie Lautsprechern ausgestattet. Eine kürzlich in den USA eingeführte Brille zeigt Informationen auf einem kleinen Display im rechten Glas an und verfügt über eine LED-Anzeige, die signalisiert, wenn die Kamera aktiv ist. Interne Dokumente von Meta legen nahe, dass seit Anfang 2022 über die Gestaltung der Gesichtserkennung, insbesondere im Hinblick auf Datenschutzrisiken, nachgedacht wird.
Datenschutz und Regulierung
Die geplante Einführung der Gesichtserkennungstechnologie wirft allerdings erhebliche Fragen zum Datenschutz auf. Kritiker stellen in Frage, ob es rechtlich erlaubt ist, den öffentlichen Raum ohne Zustimmung der aufgenommenen Personen zu scannen. In der Europäischen Union könnte diese Funktion aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und des neuen AI Acts problematisch werden, da diese Regulierungen strenge Vorgaben zur Verarbeitung biometrischer Daten vorsehen. Insbesondere Artikel 9 der DSGVO klassifiziert Gesichtsbilder als „besondere Datenkategorien“ und erfordert die Zustimmung der betroffenen Personen zur Verarbeitung.
Meta argumentiert, die Technologie könnte zur Förderung der Barrierefreiheit beitragen und Menschen mit Gesichtsblindheit unterstützen. Jedoch warnen Kritiker vor einer unkontrollierten Überwachung und bezweifeln den tatsächlichen Nutzen dieser Funktion für Menschen mit Gesichtsblindheit. Die Markteinführung der Brillen hängt in starkem Maße von den Entscheidungen lokaler Regulierungsbehörden ab, und es gibt keine endgültige Bestätigung für ein konkretes Veröffentlichungsdatum.
Gesichtserkennung in Europa
In einem weiteren Kontext hat Frankreich als erstes EU-Land die Einführung von Gesichtserkennung in staatlichen Diensten angekündigt. Diese Entscheidung hat Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre und der Einhaltung der DSGVO aufgekommen lassen. Insbesondere Bürgerrechtsorganisationen zeigen große Besorgnis und haben bereits rechtliche Schritte gegen die französische Regierung eingeleitet. Vergleichbare Fälle, wie die Geldstrafe gegen eine Schule in Schweden, die Gesichtserkennung zur Anwesenheitskontrolle eingesetzt hat, belegen die Sensibilität des Themas.
Darüber hinaus zeigt die geschäftliche Nutzung von Gesichtserkennung, wie sie beispielsweise am Gatwick Airport in London für Ausweiskontrollen erfolgt, dass diese Technologie auch als potenziell vorteilhaft für die öffentliche Sicherheit angesehen wird. Allerdings bleiben Fragen zur informierten Zustimmung der Betroffenen offen. Wie datenschutzkonforme Lösungen aussehen können, wird in der künftigen Verwendung von Gesichtserkennung entscheidend sein.
Zusammenfassend bleibt abzuwarten, wie Meta die Einführung seiner neuen Kamera-Brillen mit Gesichtserkennung gestalten wird, während die Herausforderungen im Bereich Datenschutz und öffentliche Akzeptanz nicht ignoriert werden können.