Das Europäische Parlament hat die Arbeiten zur Umsetzung des Zollabkommens zwischen den USA und der EU auf Eis gelegt. Diese Entscheidung könnte erheblichen Einfluss auf die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Parteien haben, berichtet vienna.at. Der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange von der SPD, äußerte, dass die Androhung von Extrazöllen durch US-Präsident Donald Trump die Situation weiter verschärft hat. Dieses Stoppsignal sendet nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Zeichen, da die EU möglicherweise vor einer Eskalation der Handelsbeziehungen steht.

Das geplante Zollabkommen sollte Industriegüter aus den USA zollfrei in die EU einführen und gleichzeitig den Zugang für bestimmte Meeresfrüchte und Agrarprodukte auf dem europäischen Markt verbessern. Im Sommer 2025 hatte Trump im Gegenzug auf die Einführung von 30% Sonderzöllen auf EU-Importe verzichtet und die Autozölle gesenkt. Doch aktuell sehen neue Zollpläne von Trump ab dem 1. Februar 2026 Strafzölle von 10% auf Importe aus Deutschland und sieben weiteren europäischen Staaten vor. Das Ziel dieser Zölle ist es, den Widerstand gegen den Verkauf der Insel Grönland an die USA zu brechen, was von Dänemark entschieden ausgeschlossen wurde.

Reaktionen auf die Zollankündigung

Die EU steht nun vor der Herausforderung, entsprechend auf Trumps „Grönland-Zölle“ zu reagieren. Ein EU-Sondergipfel, der am Donnerstag stattfinden soll, wird Maßnahmen erörtern, um die Einheit der Mitgliedstaaten zu demonstrieren und mögliche Gegenzölle im Wert von über 93 Milliarden Euro zu diskutieren. Diese könnten unter anderem auf Produkte wie Whisky, Flugzeugteile und Hühnchen erhoben werden. Der EU-Ratspräsident António Costa betont, dass solche Zölle die transatlantischen Beziehungen untergraben würden, was die bereits angespannte Situation weiter kompliziert.

In diesem Kontext kündigte der EVP-Fraktionsvorsitzende Manfred Weber eine Verschiebung der Ratifizierung des EU-Handelsabkommens mit den USA an und fordert klare Gespräche mit Trump über bestehende Vertragsverpflichtungen. Handelsexperte Bernd Lange warnt vor politischer Erpressung und denkt darüber nach, das Zollabkommen ganz auf Eis zu legen. Dennoch betont Wolfgang Ischinger die Notwendigkeit, den Dialog mit Trump fortzusetzen, auch wenn das Vertrauen stark geschädigt ist.

Wirtschaftliche Dimension der transatlantischen Beziehungen

Die transatlantischen Beziehungen sind von enormer wirtschaftlicher Bedeutung, wie die Gemeinsame Erklärung von EU und USA zeigt, die einen Rahmen für Handel und Investitionen schafft. Diese Erklärung entstand aus einer politischen Einigung zwischen Ursula von der Leyen und Donald Trump im Juli 2025 und hebt hervor, dass der Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen der EU und den USA in den letzten zehn Jahren doppelt so hoch war und 2024 über 1,6 Billionen Euro betrug. Bemerkenswerterweise investierten Unternehmen aus der EU und den USA 2022 5,3 Billionen Euro in die Märkte der jeweils anderen Seite, was die Tragweite dieser Wirtschaftsbeziehungen unterstreicht.

In Anbetracht dieser finanziellen Verflechtungen und der drohenden Zölle betont die EU die Notwendigkeit von Vorhersehbarkeit, Stabilität und Sicherheit im Handel. Dies ist umso wichtiger, da Millionen Arbeitsplätze in der EU von diesen Beziehungen abhängen. Die EU steht somit vor der nicht einfachen Aufgabe, sowohl die internen Mitgliedstaaten zu einen als auch externe Konflikte mit den USA zu managen, um eine Eskalation der Handelsstreitigkeiten zu verhindern.

Zusammenfassend zeigt die aktuelle Lage, dass die transatlantischen Handelsbeziehungen auf dem Spiel stehen und eine Lösung dringend notwendig ist, um politische und wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Der Druck auf die EU wächst, eine gemeinsame Linie zu finden und gleichzeitig auf die aggressiven Zollanpassungen von Trump zu reagieren.