In Deutschland nimmt die Diskussion um die Arbeitszeiten neue Dimensionen an. Eine aktuelle Umfrage der Internationalen Hochschule IU zeigt, dass eine große Mehrheit der Befragten eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit wünscht. So bewerten rund drei Viertel der Teilnehmer eine Arbeitszeit von bis zu 48 Stunden in der Woche negativ. Die Gründe sind vielfältig: Mangelnde Zeit für Familie und persönliche Interessen sowie körperliche und psychische Belastungen stehen im Vordergrund. Zudem wird der Zwang zur Mehrarbeit als zusätzliche Belastung empfunden, nicht als Lösung für die Herausforderungen am Arbeitsplatz, wie exxpress.at berichtet.
Das beliebteste Arbeitszeitmodell bleibt die Vollzeitbeschäftigung mit 35 bis 40 Wochenstunden, welche von etwa 45 % der Befragten bevorzugt wird. Besonders interessant ist der Trend zur Vier-Tage-Woche, die mit etwa 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich von mehr als einem Drittel der Teilnehmer favorisiert wird. Über die Hälfte der Befragten wünscht sich zudem eine Arbeitszeit von unter 35 Stunden.
Politische Diskussionen und Reformen
Diese Ergebnisse fallen in eine Phase intensiver politischer Diskussionen. Vertreter der Mittelstands- und Wirtschaftsunion äußern Bedenken, dass eine zunehmende „Lifestyle-Teilzeit“ entstehen könnte. Markus Söder von der CSU hat bereits angedeutet, dass eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Tag für viele zumutbar sei. Angesichts der aktuellen arbeitsrechtlichen Reformagenda der neuen Bundesregierung, welche von CDU/CSU und SPD getragen wird, könnte es eine Aufweichung des traditionellen Acht-Stunden-Tages geben. Laut dem geltenden Arbeitszeitgesetz erlaubt es Unternehmen bereits, bis zu 48 Stunden pro Woche zu arbeiten, verteilt auf sechs Tage, während es in früheren Jahren vorwiegend die Fünf-Tage-Woche war, die von 79 % der Arbeitnehmer gewählt wurde, wie bpb.de anmerkt.
Obwohl die Vier-Tage-Woche in der Debatte steht, setzen nur etwa vier Prozent der Unternehmen dieses Modell bereits um. Besonders häufig findet man die Vier-Tage-Woche in männerdominierten Berufen, wie dem Innenausbau oder in der Kunststoffverarbeitung, während in der Gesundheitsversorgung, einem eher frauendominierten Bereich, lediglich 0,27 Prozent der Stellenanzeigen dieses Modell anbieten, wie die Bertelsmann Stiftung feststellt. In Krisenberufen wird das Modell jedoch fast dreimal so oft beworben.
Work-Life-Balance als zentrales Anliegen
Unterstützer der Vier-Tage-Woche argumentieren für mehr Effizienz und eine bessere Work-Life-Balance. Besonders in Berufen mit festen Abläufen und hoher körperlicher Belastung kann dieses Modell helfen, die Lebensqualität der Arbeitnehmer zu erhöhen. Auf der anderen Seite befürchten Kritiker, dass die Vier-Tage-Woche nicht die gewünschte Produktivitätssteigerung liefert und zu einem Wohlfahrtsverlust führen könnte.
Insgesamt wünscht sich laut Umfragen eine überwältigende Mehrheit von 81 % der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland eine Vier-Tage-Woche mit weniger Arbeitsstunden. Doch nur 8 % würden dies auch bei einer möglichen Lohnsenkung in Kauf nehmen. Die Nachfrage nach flexiblen Arbeitszeitmodellen ist also evident, und die politische Landschaft ist bereit, Veränderungen einzuleiten, wobei die zukünftige Umsetzung der Vier-Tage-Woche noch stark diskutiert wird.