Am 3. Februar 2026 hat das österreichische Innenministerium die Abschiebung eines verurteilten Afghanen nach Kabul bestätigt. Der 30-jährige Mann, der sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, war wegen mehrerer schwerer Straftaten verurteilt worden, darunter Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, schwere Körperverletzung und gefährliche Drohung. Nach seiner Entlassung aus der Haft nutzte er die Möglichkeit einer eigenständigen kontrollierten Ausreise. Gegen ihn besteht ein Einreise- und Aufenthaltsverbot für Österreich, weshalb er nach Kabul ausgeflogen wurde, wie 5min.at berichtet.
Die Abschiebung dieses Mannes ist Teil eines breiteren Trends, der seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 beobachtet wird. Seit 2024 fanden wieder regelmäßige Abschiebungen nach Afghanistan statt, wobei sich die Bundesregierung, trotz offiziell fehlender diplomatischer Beziehungen zum Taliban-Regime, auf technische Kontakte stützt. Mediendienst Integration berichtet, dass allein im Juli 2025 81 straffällige Personen mit einem Charterflug nach Afghanistan abgeschoben wurden.
Die Lage für Abgeschobene
Die Situation für die abgeschobenen Afghanen bleibt angespannt. Medienberichten zufolge wurden die Abgeschobenen nach ihrer Ankunft in Kabul in ein Gebäude zur Identitätsfeststellung gebracht. Dort mussten sie eine Erklärung unterzeichnen, dass sie keine weiteren Verbrechen begehen würden. Nicht alle Abgeschobenen wurden sofort freigelassen, wie ein Taliban-Sprecher bestätigte. Ahmad, ein 46-jähriger Mann, der 27 Jahre in Deutschland lebte, war von seiner Abschiebung überrascht und erhielt nur kurz Gelegenheit, seine Familie zu kontaktieren. Er hat keine nahen Verwandten mehr in Afghanistan und sieht keine Zukunft in dem Land, das für viele wie ihn eine ungewisse Perspektive darstellt, so Tagesschau berichtet.
Die Taliban haben keine klaren Strategien für den Umgang mit den Abgeschobenen, was die Unsicherheit für diese Personen weiter verstärkt. Während es internationale Berichte über eine teilweise Verbesserung der Sicherheitslage in bestimmten Regionen Afghanistans gibt, bleibt die Menschenrechtslage nach wie vor besorgniserregend. Besonders Frauen und Mädchen sind weiterhin durch das repressives Regime gefährdet, und ehemaligen Mitarbeitern der afghanischen Regierung drohen Folter und Hinrichtungen.
Der Hintergrund der Abschiebungen
Vor 2021 war Deutschland eines der wenigen europäischen Länder, das Abschiebungen nach Afghanistan durchführte. Seit 2016 wurden etwa 1.000 Afghanen direkt nach Afghanistan abgeschoben, im Rahmen eines Abkommens zwischen der EU und der afghanischen Regierung. Aktuell sind rund 9.400 Afghanen ausreisepflichtige Geduldete in Deutschland. Die Unklarheiten über den Verbleib dieser Personen, die wiederum keine Aufenthaltstitel und Duldungen besitzen, spielen eine zentrale Rolle in der gegenwärtigen Diskussion um Abschiebungen nach Afghanistan. Das UNHCR rät von Abschiebungen in das Land ab, um möglichen Menschenrechtsverletzungen entgegenzuwirken.
Die erneuten Abschiebungen, insbesondere der Rückführung straffälliger Personen, werfen viele Fragen über die Sicherheiten und Herausforderungen sowohl für die Rückkehrer als auch für die internationale Gemeinschaft auf.