Am 27. Jänner 2026 wird weltweit der Holocaust-Gedenktag begangen, der an die Befreiung der Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee im Jahr 1945 erinnert. In diesem Jahr liegt ein besonderer Fokus auf der Aufarbeitung der Geschichte der sogenannten „Wiederösterreicher“, welche Nachfahren von NS-Opfern sind, die durch eine Novelle des Staatsbürgerschaftsgesetzes im Jahr 2019 die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten haben.
Wie vienna.at berichtet, haben in den letzten Jahren über 43.000 Nachfahren von NS-Opfern einen rot-weiß-roten Pass erhalten. Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) und die Vorsitzende des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus, Hannah Lessing, kündigten anlässlich des Gedenktages ein gemeinsames Forschungsprojekt an. Ziel ist es, die Familiengeschichten dieser Nachfahren umfassend aufzuarbeiten.
Forschungsprojekt zur Aufarbeitung
Im Rahmen des neuen Projekts sollen zwei Stipendien an Historikerinnen und Historiker vergeben werden, die für drei Monate Forschungsaufenthalte in Israel oder Großbritannien absolvieren. Insgesamt investiert das Außenministerium 100.000 Euro in die Erforschung dieser Familiengeschichten, und die Auswahl der Stipendiatinnen sowie Stipendiaten erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Nationalfonds. Lessing äußerte, dass das Interesse unter den Nachfahren der dritten Generation, ihre Familiengeschichten zu erforschen, stetig steige.
Demnach wurden seit 2020 über 22.000 Anträge auf die österreichische Staatsbürgerschaft bewilligt. Mehr als die Hälfte der „Wiederösterreicher“ stammt aus Israel, gefolgt von über 9.500 aus den USA und 5.600 aus dem Vereinigten Königreich. Diese Entwicklungen verdeutlichen die zunehmende Bedeutung der Aufarbeitung der Vergangenheit, sowohl für die Nachfahren als auch für die Gesellschaft insgesamt.
Die Bedeutung des Gedenktages
In Deutschland wird der Holocaust-Gedenktag seit 1996 begangen. Im Jänner 2024 lebten nach Angaben der Jewish Claims Conference weltweit noch etwa 245.000 Holocaust-Überlebende. Die meisten von ihnen wohnen in Israel oder den USA, wobei in Deutschland zu diesem Zeitpunkt rund 14.200 Überlebende leben. Historiker betonen, dass die Rolle der Zeitzeugen in der gedenkstättenarbeit allmählich abnimmt und die künftige Erforschung des Holocaust verstärkt auf Dokumente angewiesen sein wird. Die Arolsen Archives arbeiten daran, historische Dokumente zur NS-Verfolgung zu digitalisieren, um so eine digitale Erinnerungskultur für jüngere Generationen zu schaffen, wie Deutschlandfunk Kultur berichtet.
Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hebt die permanente Aufgabe der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen hervor. In Anbetracht zunehmender antisemitischer Ressentiments betont Weimer die Wichtigkeit, das Gedenken nicht zu einem Ritual verkommen zu lassen. Der Gedenktag soll auch als Anstoß dienen, die Auseinandersetzung mit der Geschichte als kontinuierliche Arbeit am kulturellen Gedächtnis zu betrachten.
Für die Gedenkveranstaltungen in Deutschland sind vielfältige Formate geplant, darunter Gedenkstunden in Landesparlamenten, Gottesdienste sowie Namenslesungen und Kranzniederlegungen. Eine traditionelle Gedenkstunde im Bundestag ist für Mittwoch angesetzt, mit Tova Friedman als Gastrednerin. Friedman, eine US-Amerikanerin und Überlebende von Auschwitz-Birkenau, wurde 1938 in Gdingen geboren und steht beispielhaft für die Stimmen der Überlebenden, die auch in Zukunft gehört werden müssen.