Am 22. Jänner 2026 fand in Vetschau, Brandenburg, ein umstrittener Vortrag des österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner statt. Sellner, der als führende Figur der Identitären Bewegung (IB) bekannt ist, präsentierte seine Thesen zur sogenannten „Remigration“. Diese Veranstaltung sorgte für Spannungen innerhalb der Alternative für Deutschland (AfD), da die Parteispitze zuvor versucht hatte, das Event zu verhindern. AfD-Landespolitikerin Lena Kotré hatte ursprünglich als Gastgeberin fungieren wollen, zog jedoch ihre Einladung zurück.
Die AfD, die bei den letzten Bundestagswahlen über 20 Prozent der Stimmen erhielt und somit die zweitstärkste Partei im Parlament ist, verfolgt mit ihren Forderungen nach Grenzschließungen und Ausweisungen eine strikte Einwanderungspolitik. Selbige Forderungen führen jedoch zu Kontroversen, auch innerhalb der Partei, wo etliche Mitglieder die Strömungen um Sellner kritisch sehen. Die interne Auseinandersetzung wurde durch eine Intervention der Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla noch verstärkt, die ihren Parteikollegen vorwarfen, zu enge Verbindungen zu Sellner zu pflegen.
Vertiefung in Sellners Konzepte
Während seines Vortrags wies Sellner den Vorwurf einer geplanten Deportation zurück und sprach stattdessen von „positivem Druck“ und „Heimkehranreizen“, um die Bildung paralleler Gesellschaften zu verhindern. Ein Beispiel, das er anführte, war ein Burka-Verbot. Sellners Konzept, das in seinem Buch „Remigration: Ein Vorschlag“ dargelegt ist, umfasst drei Hauptkategorien: die Abschiebung von Asylbewerbern und Flüchtlingen, die Abschiebung von Ausländern sowie einen Druck auf „nicht assimilierte Staatsbürger“ mit deutschem Pass, um diese aus Deutschland zu verdrängen.
Zu den internen Querelen innerhalb der AfD gehört, dass die पार्टी eine Unvereinbarkeitsliste führt, auf der die Identitäre Bewegung aufgeführt ist. Dies bedeutet, dass Mitglieder der AfD offiziell keine Kontakte zu dieser Organisation haben sollten. Dennoch zeigt die Realität, dass immer wieder Verbindungen zwischen der AfD und Sellner bestehen. Ein juristisches Gutachten hatte zudem empfohlen, Sellner nicht zu Parteiveranstaltungen einzuladen, und eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus Juni 2025 stellte fest, dass Sellners „Remigrationskonzept“ mit den Grundwerten der Verfassung unvereinbar ist.
Öffentliche Reaktionen und Zukunftsperspektiven
Sellner kündigte zudem die Gründung einer internationalen Nicht-Regierungsorganisation an, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Remigration beschäftigen soll. Dies steht im Kontext der von Sellner propagierten „Remigration“, die in der Öffentlichkeit als ein Versuch interpretiert wird, eine ethnisch homogene Gesellschaft zu schaffen. Diese Position wird von vielen als verfassungsfeindlich eingestuft, was die AfD in eine noch kompliziertere Lage bringt.
Maximilian Krah, ein AfD-Bundestagsabgeordneter, warnte bereits vor den rechtlichen Konsequenzen und forderte eine klare Distanzierung von Sellners Konzept, um ein Parteiverbotsverfahren zu vermeiden. Die AfD-Politiker scheinen angesichts der anhaltenden Diskussion und der Herausforderungen, die Sellners Ansichten mit sich bringen, hin- und hergerissen zu sein. Lena Kotré, die Sellner als „international anerkannten Experten“ bezeichnete, sieht im Austausch über Remigration eine rein fachliche Diskussion an, während der Begriff selbst mittlerweile zum Unwort des Jahres 2023 gekürt wurde und zum Gegenstand diverser Proteste wurde.
Diese Entwicklungen zeigen, dass der Richtungsstreit innerhalb der AfD und die Auseinandersetzungen um die Konzepte von Martin Sellner nicht nur die internen Strukturen der Partei betreffen, sondern auch die öffentliche Wahrnehmung der politischen Landschaft in Deutschland nachhaltig beeinflussen.