Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt erneut vor einem bevorstehenden großangelegten Angriff Russlands. Geheimdienstinformationen deuten darauf hin, dass dieser möglicherweise in den nächsten Tagen erfolgen könnte. In seinem jüngsten Statement betonte Selenskyj den Einsatz von Drohnen, die darauf abzielen, die ukrainische Flugabwehr und Raketen zu neutralisieren. Dies geschieht vor dem Hintergrund fallender Temperaturen in vielen Regionen der Ukraine, die nachts in den zweistelligen Minusbereich sinken.
Am vergangenen Donnerstag äußerte sich Selenskyj bereits besorgt über einen neuen Angriff, der in der Nacht auf Freitag stattfand. Dabei griff das russische Militär die Ukraine unter anderem mit der neuen Mittelstreckenrakete „Oreschnik“ an, was zu massiven Ausfällen der Strom-, Wasser- und Heizungsversorgung in Kiew führte. Bürgermeister Vitali Klitschko empfahl den Bewohnern der Hauptstadt, die Stadt vorübergehend zu verlassen.
Details zu den Angriffen
Der Angriff am 9. Jänner 2026 betraf mehr als 240 Drohnen und 35 Raketen sowie Marschflugkörper. Insgesamt kamen in Kiew vier Menschen ums Leben und mindestens 13 wurden verletzt. Die Angriffe führten zu erheblichen Schäden an Wohnhäusern und an der Infrastruktur, einschließlich der Katariischen Botschaft, die ebenfalls betroffen war. Der Bürgermeister von Kiew berichtete, dass, obwohl die ukrainischen Behörden daran arbeiten, die Versorgungsleistungen wiederherzustellen, tausende Wohnblöcke ohne Heizung sind.
Die von Russland eingesetzte „Oreschnik“-Rakete, die Geschwindigkeiten von bis zu 13.000 km/h erreicht und eine Reichweite von bis zu 5.000 km hat, wurde als Vergeltungsmaßnahme für einen angeblichen Angriff auf Putins Residenz bezeichnet. Diese Behauptung wurde von der ukrainischen Regierung und US-Geheimdiensten als Lüge zurückgewiesen. Der Gouverneur der Region Lwiw stellte fest, dass die Rakete auf eine Infrastruktureinrichtung abzielte, möglicherweise einen Gasspeicher.
Reaktionen und internationale Politik
Die wiederholten Angriffe Russlands haben empörte Reaktionen der internationalen Gemeinschaft hervorgerufen. Staats- und Regierungschefs aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland verurteilten die Angriffe als „eskalierend und inakzeptabel“. Auch die Bundesregierung äußerte sich scharf gegen die Attacken, während die US-Botschafterin Tammy Bruce in einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats die Situation thematisierte und die USA signalisierten, gemeinsam mit Kiew und anderen Partnern an einer Verhandlungslösung zu arbeiten.
Selenskyj erwartet von den bevorstehenden Gesprächen auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos Fortschritte bezüglich der Beziehung zu den Partnern und dem Wiederaufbau der Ukraine. Aktuelle Entwicklungen deuten auf eine wachsende Unterstützung der ukrainischen Waffenproduktion hin, die von derzeit 40 auf 50 Prozent steigen soll. Dies ist besonders wichtig, da Russland zunehmend auf Drohnen in großen Schwärmen zurückgreift und die Angriffe auf die Zivilbevölkerung zunehmen.
Militärexperten warnen vor der Notwendigkeit eines abgestuften Verteidigungssystems, das effektive Maßnahmen gegen Drohnenschwärme umfasst. Die Unterstützung durch europäische Staaten wird als entscheidend erachtet, um den militärischen Druck auf Russland zu erhöhen und eine mögliche Vertreibungskampagne zu verhindern.