Im Stadtmuseum Neustadt in Sachsen, das derzeit geschlossen ist, wird dennoch fleißig gearbeitet. Museumsleiterin Ulrike Hentzschel hat alle Hände voll zu tun, denn es gilt, die gesamte Sammlung akribisch zu dokumentieren und sicher zu verpacken. Hierbei handelt es sich nicht nur um die großen Exponate, sondern um jedes noch so kleine Detail, das die Geschichte der Stadt geprägt hat.

Aktuell ist Hentzschel mit der Aufarbeitung einer umfangreichen Bekleidungssammlung beschäftigt. Diese umfasst unter anderem 25 traditionelle Küchenschürzen, die früher von Mädchen getragen wurden. „Es war großartig, diese Schürzen an die Schüler der Julius-Mißbach-Grundschule zu verteilen, damit sie sich im Unterricht mit der Geschichte auseinandersetzen konnten“, berichtet sie begeistert.

Besondere Raritäten aus der Kleidersammlung

Die Textilsammlung des Stadtmuseums ist für eine kleinere Institution durchaus bemerkenswert. „So viele Exponate sind eher ungewöhnlich“, erklärt Hentzschel. Eine weitere Besonderheit ist ein opulent gestaltetes Kleidungsstück aus dem Besitz der Familie Claus, die in Neustadt ansässig war. Damals war es üblich, dass wohlhabende Bürger maßgeschneiderte Kleidung bei lokalen Schneidern anfertigen ließen, während die Landbevölkerung ihre Kleidungsstücke oft selbst nähte.

Besonders faszinierend ist ein geschnürtes Kleid, das nun restauriert werden muss, weil die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat. Wer es getragen hat und wann, bleibt jedoch unklar, doch es wird vermutet, dass die Trägerin größer als der Durchschnitt war. Zudem gibt es ein weiteres Kleid, das über die Jahre hinweg immer wieder umgearbeitet und der Mode angepasst wurde. Jedes dieser Stücke wird sorgfältig archiviert.

Schuhe von 1790 gehören zu den ältesten Exponaten

Unter den ältesten Exponaten befinden sich ein Paar Damenschuhe und ein alter Herrenfrack, die vermutlich um 1810 entstanden sind. Sogar ein paar Ballerina-Schuhe aus dem Jahr 1790 haben die Zeit überdauert und befinden sich in hervorragendem Zustand. „Es ist interessant, dass es damals noch keine speziellen Formen für rechts und links gab“, erklärt Hentzschel.

Die Mode in Neustadt orientierte sich stark an den Trends der großen Städte. So kam in den 1920er Jahren auch der Charleston nach Deutschland, der mit einer lockeren Kleidungsordnung einherging. Die Kleider wurden kürzer und boten mehr Bewegungsfreiheit, was für die damalige Zeit eine große Veränderung darstellte.

Ein weiteres Highlight der Sammlung ist eine reisegeeignete Truhe, die zwischen 1730 und 1760 gefertigt wurde. Diese Truhe, die aus einem Haushalt im Neustädter Ortsteil Polenz stammt, zeigt eine Zeit, als es noch keine Kleiderschränke gab. Die Kleidung wurde in solchen Truhen aufbewahrt und häufig bei Reisen mitgeführt.

Das Museum selbst ist seit dem 1. Oktober 2023 geschlossen, jedoch wird bereits intensiv an der Planung einer neuen Ausstellung gearbeitet. „Wir haben bis Ende 2025 Zeit, um die Exponate professionell verpacken zu lassen. Bis dahin beantworte ich auch weiterhin Anfragen zur Stadtgeschichte”, sagte Hentzschel.

Im Rahmen der zukünftigen Ausrichtung wird angestrebt, zur 700-Jahrfeier der Stadt im Jahr 2033 ein neues Museum zu eröffnen, das den Besuchern die faszinierende Geschichte Neustadts näherbringen soll. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren, während die historisch wertvollen Exponate sicher untergebracht und dokumentiert werden.Die Details dazu sind auf www.saechsische.de nachzulesen.