Neue Vorwürfe: SOS-Kinderdorf und Großspender im Missbrauchsskandal!
Neue Vorwürfe im SOS-Kinderdorf-Skandal: Ein Großspender soll 2017 ein Trainingslager in Nepal besucht haben, trotz Kenntnis über Missbrauch.

Neue Vorwürfe: SOS-Kinderdorf und Großspender im Missbrauchsskandal!
Der Fall um die SOS-Kinderdörfer steht erneut im Rampenlicht, nachdem neue Vorwürfe gegen eine zentrale Figur und Großspender aufgetaucht sind. Der „Falter“ berichtet über einen E-Mail-Austausch aus dem Jahr 2017, in dem der damalige Geschäftsführer Hermann Kutin einem Großspender versprochen hat, ihm drei Nächte in einem SOS-Trainingslager in Nepal zu gewähren. In diesem Trainingslager hielten sich zur gleichen Zeit Kinder des SOS-Kinderdorfes auf, und Kutin war bereits zu diesem Zeitpunkt über die sexuellen Neigungen des Spenders informiert.
Diese Entwicklung wirft ernsthafte Fragen auf, insbesondere da seit zwei Jahren ein Besuchsverbot im SOS-Kinderdorf in Nepal besteht, das aufgrund sexueller Übergriffe verhängt wurde. Interne Berichte zeigen, dass die Verantwortlichen in Österreich seit spätestens 2015 über die Missbrauchsvorwürfe informiert waren. Dennoch wurde in der Vergangenheit nicht angemessen darauf reagiert. SOS-Kinderdorf erklärt, dass man keine Einzelpersonen im laufenden Aufarbeitungsprozess benennen könne.
Chronologie der Vorwürfe
Der Fall des Spenders wurde Ende 2022 bekannt, als Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs während seiner Besuche in Nepal ans Licht kamen. Der Großspender hatte zwischen 2010 und 2014 mehrmals Nepal bereist und erheblich in den Aufbau eines Dorfes investiert. Im Jahr 2021 wurde er schließlich bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass acht Minderjährige betroffen waren. Die damalige Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorfs, Elisabeth Hauser, stellten fest, dass die betroffenen Jungen mittlerweile junge Erwachsene sind.
Ein Abschlussbericht der Independent Childprotection Commission (ICC) unter der Leitung von Waltraud Klasnic wurde im März 2023 veröffentlicht. In diesem Bericht wurde festgestellt, dass das Wohlergehen und der Schutz der Kinder oft nicht an erster Stelle standen und die Interessen des Großspenders teilweise auf Kosten der Kinder gingen.
Übergriffe im SOS-Kinderdorf Deutschland
Parallel zu den Vorwürfen in Österreich hat eine unabhängige Kommission 226 Fälle von Übergriffen in den Einrichtungen von SOS-Kinderdorf Deutschland untersucht. Diese Vorfälle reichen bis in die 1960er-Jahre zurück und umfassen körperliche und sexuelle Gewalt. Der Kommissionsvorsitzende Klaus Schäfer betont, dass die Aktenlage dürftig sei und eine Dunkelziffer wahrscheinlich existiere. Seit 2010 wurden 189 Fälle über eine interne Meldestelle und 37 zusätzliche Fälle über einen Aufruf in Regionalzeitungen im Jahr 2023 gemeldet.
Die Statistiken zeigen, dass rund 40 Prozent der Übergriffe in Kinderdorffamilien und Wohngruppen stattfanden. Mitarbeitende, wie Kinderdorfmütter oder Erzieher, waren oft die Täter. Hier wurde ebenfalls die Notwendigkeit einer Professionalisierung der Betreuungseinrichtungen erkannt, um künftigen Missbrauch zu verhindern.
Die Vorstände und die Leitung von SOS-Kinderdorf haben sich für vergangene Fehler entschuldigt und betont, dass nicht immer angemessen auf Beschwerden reagiert wurde. Um die Sicherheit der Kinder weiter zu erhöhen, wurde ein Aktionsplan für den Kinderschutz ins Leben gerufen. Ab 2025 sollen regelmäßige „Jahresreflexionen“ in jeder Kinderdorffamilie stattfinden, um Risiken frühzeitig zu erkennen und der Verantwortung nachzukommen.
Die Thematik um Missbrauch und den Umgang mit Beschwerden nimmt nach den jüngsten Entwicklungen eine neue Dimension an und zeigt, wie wichtig transparente und verantwortungsvolle Strukturen im Bereich des Kinderschutzes sind. Weitere Maßnahmen sind nötig, um das Vertrauen in Organisationen wie SOS-Kinderdorf wiederherzustellen und die Sicherheit der betreuten Kinder zu gewährleisten.
Für weitere Informationen zu den Hintergründen der aktuellen Vorwürfe und der Chronologie der Ereignisse, siehe Kleine Zeitung, Wikipedia und Tagesschau.