In einer aktuellen Sondersendung von exxpress äußerten sich Experten zur besorgniserregenden Entwicklung der Sicherheitslage in Europa. Unter der Moderation von Eva Schütz diskutierten der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier und exxpress-Redakteur Stefan Beig über ein politisches Jahr, das viele Menschen mit Unruhe erfüllt hat. Während der Fokus einerseits auf der massiven Aufrüstung in der EU und der wachsenden Kriegsangst liegt, verschiebt sich andererseits die öffentliche Besorgnis zunehmend von der Teuerung hin zur Angst vor Krieg.
Die Zeichen einer Entfremdung der Bürger von Brüssel sind deutlich erkennbar. Zu den zentralen Sorgen gehört eine zunehmende Kriegsangst, die alle Altersgruppen betrifft, insbesondere jedoch die Babyboomer. Heinzlmaier verdeutlicht, dass die Verklärung der Aufrüstung als wirtschaftlicher Motor historisch selten Wohlstand gebracht hat; stattdessen schafft sie oft neue Konflikte. In einem Europa, in dem Milliarden in Rüstung fließen, während traditionelle Industrien schwächeln, fragt er, ob die EU versucht, die wirtschaftliche Krise durch eine Kriegswirtschaft zu überdecken.
Digitale Kriegsstrategie der Ukraine
Zusätzlich zu den politischen Diskussionen über Rüstungsfragen beleuchtet der Artikel von Euronews die digitale Kriegsstrategie der Ukraine. Die ukrainischen Streitkräfte setzen auf Innovation und Anpassungsfähigkeit, um seit Russlands Invasion vor über drei Jahren effizienter agieren zu können. Bis zu 95 Prozent der zur Verfügung stehenden Drohnen werden in der Ukraine hergestellt, während einige Schlüsselkomponenten aus China, Europa und den USA stammen. Der Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, hebt hervor, wie wichtig es ist, technologische Fortschritte zu erzielen.
Beachten muss man dabei, dass traditionelle Waffensysteme weiterhin eine Rolle spielen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass etwa 30 Prozent des militärischen Bedarfs im Inland produziert werden. Fedorow spricht bereits von einer Zukunft, in der „Drohnen gegen Drohnen“ kämpfen werden, und lockt europäische Verbündete mit Investitionen in kostengünstige Drohnentechnologie. Ein Gefühl der Dringlichkeit wird durch den Rückgang der freiwilligen Rekrutierung verstärkt, was eine Senkung des Wehrpflichtalters von 27 auf 25 Jahre zur Folge hatte. Dies zeigt den Druck auf die militärischen Ressourcen der Ukraine.
Angstbewältigung in der Bevölkerung
Die psychologischen Auswirkungen des Kriegen sind nicht zu unterschätzen. In der ARD-Sendung „Mitreden! Deutschland diskutiert“ äußert eine Hörerin ihre Angst vor einem möglichen Dritten Weltkrieg. Wie BR.de berichtet, haben Psychotherapeuten einen Anstieg in der Nachfrage nach psychologischer Unterstützung festgestellt, insbesondere im Hinblick auf den Krieg zwischen Israel und Iran.
Laut einer Umfrage haben mittlerweile 64 Prozent der Deutschen große oder sehr große Sorgen vor einem Krieg in Europa, während diese Zahl im Jahr 2021 noch bei 15 Prozent lag. Militärsoziologe Timo Graf betont, dass nahezu die Hälfte der Deutschen sich in ihrer persönlichen Sicherheit bedroht fühlt. Die Verfügbarkeit von Live-Aufnahmen aus den Kriegsgebieten der Welt verstärkt Ängste – ein Phänomen, das durch moderne Informationskanäle prägenden Einfluss erhält.
Um der Kriegsangst zu begegnen, empfehlen Experten, den Konsum von Nachrichten zu reduzieren und soziale Kontakte zu pflegen, um Isolation zu vermeiden. Nikolaus Melcop, Präsident der Psychotherapeutenkammer Bayern, hebt hervor, dass Selbstfürsorge und sozialer Zusammenhalt von entscheidender Bedeutung sind, damit die Bevölkerung in diesen Zeiten resiliente Fähigkeiten entwickelt.