Kompatscher fordert Dialog im Transitstreit: Brenner braucht Lösungen!
Südtirols Landeshauptmann fordert Dialog im Transitstreit zwischen Italien und Österreich, um Verkehrsbelastungen zu reduzieren.

Kompatscher fordert Dialog im Transitstreit: Brenner braucht Lösungen!
Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) hat sich für ein „tabuloses Gespräch“ im Transitstreit zwischen Italien, Tirol und Österreich ausgesprochen. Vor dem Hintergrund der bestehenden Klage Italiens gegen Österreich vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) appellierte Kompatscher an alle involvierten Parteien, den Dialog zu suchen, ohne dabei ihre eigenen Positionen aufzugeben. Er schlägt vor, die Gegensätze beiseite zu schieben und die Ansichten der jeweils anderen Seite zu erfragen. Kompatscher ist optimistisch, dass Tirol und Österreich Konzessionen anbieten könnten, um den Transport von Verona nach München erheblich zu beschleunigen – von 24 auf nur noch 6 Stunden.
Kompatscher plädiert zudem für digitale Buchungs- und Lenkungssysteme, wie ein Lkw-„Slotsystem“, sowie eine variable Maut. Das Ziel sei es, sowohl die Bevölkerung entlang der Brennerstrecke zu schützen als auch den Verkehrsfluss zu verbessern. Italiens Verkehrsminister Matteo Salvini hat bereits Gespräche auf technischer Ebene signalisiert, die auch vor dem Urteil des EuGH stattfinden könnten. Kompatscher fordert jedoch konkrete Termine für diese Gespräche, um ermutigende Signale für eine Lösung zu schaffen.
Rechtliche Auseinandersetzungen
Die rechtlichen Aspekte des Konflikts sind bedeutsam. Italien hat am 30. Juli 2024 Klage gegen Österreich wegen dessen Anti-Transitmaßnahmen eingereicht. Die Europäische Kommission unterstützt diese Klage und hat beim EuGH einen formellen Antrag gestellt, um als Streithelferin aufzutreten. Österreich wird vorgeworfen, mit Maßnahmen wie sektoralen Fahrverboten, Nachtfahrverboten und Winterfahrverboten gegen das Grundprinzip des freien Warenverkehrs in der EU zu verstoßen. Dieses Vorgehen stellt besondere Herausforderungen für das mittelständische Transportgewerbe dar, und Experten beschreiben die Situation als untragbar für die Wirtschaft und die Anwohner im bayerischen Inntal.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) steht hinter der EU-Kommission und sieht in deren Vorgehen einen Schritt zur Stärkung des Binnenmarktes. BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt begrüßt das Signal der Kommission, kritisiert jedoch gleichzeitig, dass Deutschland sich bisher nicht der Klage Italiens angeschlossen hat.
EU-Verkehrspolitik im Kontext
Die EU-Verkehrspolitik zählt zu den fundamentalen Elementen der europäischen Integration und verfolgt das Ziel, ein modernes Infrastrukturnetz für schnellere und sicherere Reisen zu fördern. Sie ist nicht nur entscheidend für den freien Warenverkehr, die Dienstleistungsfreiheit und die Personenfreizügigkeit, sondern auch für die wirtschaftliche Stabilität der Union. Mit über 9 % zur Bruttowertschöpfung der EU trägt der Verkehrssektor erheblich zur Wirtschaft bei. Darüber hinaus sind nachhaltige und innovative Verkehrsmittel notwendig, um die energie- und klimapolitischen Ziele der EU zu erreichen.
Die Herausforderungen im Verkehrssystem sind vielfältig: Verkehrsüberlastung, ökologische Belastungen und unzureichende Infrastruktur sind nur einige der Schwierigkeiten, die angegangen werden müssen. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 die verkehrsbedingten Emissionen um 60 % im Vergleich zu 1990 zu senken und so eine umweltfreundliche Mobilität zu fördern. In diesem Kontext sind die Entwicklungen im Brennerkonflikt von hoher Relevanz, sowohl für die betroffenen Regionen als auch für die gesamte europäische Verkehrspolitik.
Die europäischen Institutionen stehen vor der Herausforderung, Lösungen zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der Anwohner als auch den Anforderungen der Wirtschaft gerecht werden. Während die rechtlichen Auseinandersetzungen vor dem EuGH weitergehen, bleibt der Dialog zwischen Österreich und Italien von essenzieller Bedeutung.
VerkehrsRundschau berichtet, dass die EU-Kommission Italien unterstützt, während Vienna berichtet, dass Kompatscher auf Gesprächsbereitschaft setzt, um eine gemeinsame Lösung zu finden.